844
Die „Vita Leonis III.“ im Papstbuch umfaßt in der Aus-gabe des Duchesnes (1892) über 30 Folioseiten, von denen mehrals 25 Seiten durch die Aufzählung und Beschreibung der Ver-dienste beansprucht sind, welche Leo sich durch Bauwerke unddurch Widmungen an Bauwerken erworben hat.
In diesem Kataloge führt der Chronist außer den Neu-bauten Leos auch zahlreiche Wiederherstellungen und Grund-reparaturen älterer Bauwerke auf, ferner aber alle Kirchen undsonstige Kultusstätten, welchen Leo in Gestalt von Monu-
fangreichstcn. Die „Vitae“ des Papstbuches sind in Art und Wert sehr ver-schieden. Vielfach sind sie ein ungeschicktes Gemenge pedantischer No-tizen über Bauten, Weihgeschenke und andere Äußerlichkeiten neben Mit-teilungen über wichtigste historische Ereignisse. Viele „vitae“ bestehen nuraus einem einzigen Satze. Abergläubische Nachrichten und fahrlässige Un-richtigkeiten, aber auch tendenziöse Entstellungen fehlen nicht.
Der Wert für die Geschichtsforschung im Ganzen ist unschätzbargroß, weil diese Chronisten aus den zuverlässigsten Quellen geschöpft haben,und Lücken ausfüllen, ohne deren Beseitigung unser Wissen von der Ge-schichte des Papsttums und auch der Stadt Rom in völligem Dunkel geblie-ben sein würde.
Mit dem Jahre 1177 (Friede von Venedig, Papst Alexander III. ) ver-fällt das Papstbuch in Schweigen, nachdem es schon seit der Zeit desPapstes Johannes VIII . (872) sich auf kurze Registrierungen beschränkthatte.
Vgl. Beschreibung der Stadt Rom von Platner , Bunsen, Gerhard,Röstell. I. Bd. (1829) S. 207—217: „Über die Glaubwürdigkeit der ältestenLebensbeschreibnugen der Päpste“.
Textausgaben, Kommentare und Regesten des Papstbuches:
L. Duchesne . Le über pontificalis, texte, introduction et com-mentaire. Paris, Ernest Thorin, editeur. Bd. 1. 1886, Bd. 2. 1892.
Th. Mommsen. Liber pontificalis. Berlin Bd. 1 1898, Weid-mann (Monumenta Germaniae historica).
I. M. March. Liber pontificalis prout exstat in codice Dertu-sensi. Barcinone 1925.
Jaffe. Regesta pontificum romanorum usque ad. a. 1198. 2. Auf-lage, 2 Bände, Leipzig 1881—1886.