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eher die Stadt regierte und welcher unter dem Namen „Senatus“(sacer Senatus) seinen Sitz in einem Senatspalast auf dem Kapitol,wahrscheinlich dem Tabellarium, erhielt, und welcher durcheinen gewählten „Patricius“ geleitet wurde, wozu merkwürdiger-weise als erster Jordanus aus dem Geschlecht des Pier Leoniberufen wurde.
Wir müssen hervorheben, daß über die Einzelheiten diesereinschneidenden, das Schicksal Roms bis zur Abwanderung derPäpste nach Avignon (1305) bestimmenden Vorgänge so gut wienichts zuverlässiges berichtet ist.
Gregorovius schreibt hierüber:
„An keiner Stelle beklagen wir das Versiegen der Nachrich-ten so tief, wie hier. Kein römischer Annalist hat darauf einLicht geworfen. Einige Geschichtsschreiber berichten flüchtig,daß die zornentbrannten Römer nach dem Kapitol eilten, unddaß sie den seit langer Zeit erloschenen Senat wieder herstellten.Sie erzählen, daß der Papst, voll Furcht, die weltliche Gewalt fürimmer zu verlieren, Drohungen, Bitten und Gold verschwen-dete, den Aufruhr zu unterdrücken, und daß er mitten in diesemAufstand vom Tode ereilt wurde. Innocenz, welcher dieHälfte seines Pontifikats im Exil, oder wie ein General aufKriegsfahrten hingebracht hatte, sah die irdische HerrschaftS. Peters in Trümmer gehen. Das Szepter Roms fiel aus seinererkaltenden Hand. Er starb vor Aufregung und Schmerz, wäh-rend das altersgraue Kapitol vom Jubelgeschrei der Republi-kaner widerhallte“.
II.
Die unmittelbare Veranlassung zu der Revolution war einkriegerischer Konflikt der Römer mit der ihnen treupflichtigenStadt Tivoli, welcher dazu geführt hatte, daß die Tivolesen sichdem Papst durch Treuvertrag ergaben, und daß der Papst dieseUnterwerfung annahm.
Die historischen Ursachen der Umwälzung lagen tief.
Die Einsetzung des Senats war die Folge der schon blühen-den Freiheit lombardischer Städte, wie der besonderen Verhält-