Von 1260 bis 1305
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beschreiblichem Tumulte erfüllt war, empfanden besonneneBürger die dem Papst angetane Schmach. Am Montag, denio. September, erschien der Kardinal Lucas Fieschi in Anagni ,durchschritt die Straßen, und rief das schon reuige Volk auf,den Frevel zu rächen. Man antwortete mit dem Geschrei:„Tod den Verrätern!“ und dieselbe Menge, welche Bonifacius so schimpflich verlassen hatte, stürmte jetzt wutentbrannt zudem Palast, wo er gefangen saß; man riß die Fahne Frankreichs herab und befreite die Eingekerkerten. Nogaret und Sciarraentwichen nach Ferentino .
Der zu spät gerettete und wahrscheinlich dem Wahnsinnverfallene Papst redete von den Stufen des Palastes zum Volk;in einem Augenblick großmütiger Rührung vergab er allendenen, die ihn mißhandelt hatten. Er verließ seine undank-bare Vaterstadt am Freitag den 14. September, geleitet vonGewaffneten, um sich nach Rom zu begeben.
Die Tage, welche der unglückliche Greis im Vatikan hin-lebte, waren über alles Maß furchtbar.
Man erzählte, daß er sich in sein Gemach verschloß, dieNahrung verweigerte, in Tobsucht fiel, sein Haupt gegen dieMauer stieß, und endlich auf seinem Bette tot gefunden ward.
Ein päpstlicher Geschichtsschreiber, welcher in Rom war,als Bonifacius starb, sagte dies: „am 35. Tage nach seiner Ge-fangennahme starb er; sein Geist war außer sich; er glaubte,daß jeder, der zu ihm kam, ihn gefangen nehmen wolle“.
Bonifacius VIII . starb, 86 Jahre alt, am 11. Oktober 1303.
X.
Am 22. Oktober 1303 wählten die Kardinäle im Konklavebei S. Peter den Bischof Nicolaus von Ostia zum Papst, „einenMann voll Güte, Milde und wahrer Frömmigkeit, der sich ausniederem Stande bis zu den höchsten kirchlichen Würden er-hoben hatte“.
Er nahm den Namen Benedikt XI. an. Er gehörte keinerFamilie oder sonstigen Partei an. Er war ein aus kleinen Ver-