Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Das 14. und 15. Jahrhundert

reich geschmückte Zelte standen am Ufer. Der greise Albornozholte den Papst ein als Vertreter des wiedergewonnenen Kirchen-staates, indem er vor Urban in die Knie sank.

Der Papst las Messe am Ufer, dann zog er in das festlichprangende Corneto ein. Er blieb dort fünf Tage lang im Klosterder Minoriten, und feierte daselbst das Pfingstfest. Alsbalderschienen vor ihm Boten vom Kapitol. Sie übergaben ihm dasvolle Dominium Roms und die Schlüssel der Engelsburg.

Am 16. Oktober 1367 zog Urban V. in Rom ein,wie einzu Kampf und Krieg gerüsteter General oder ein erobernderKönig an der Spitze einer Armee.

Das Volk, die Magistrate, der Clerus waren ihm entgegen-geströmt, mit Palmen, Blumen und Fahnen, und unter heiligenGesängen.

Die Bannerschaften vieler Städte begleiteten mit ein paartausend Reitern und mit mehr Fußvolk den geistlichen Zug.

Der Papst ritt auf einem weißen Zelter, dessen Zügel italie-nische Fürsten hielten, während der Herr von Camerino dieFahne der Kirche über seinem Haupte entfaltete. Elf Kardinäle,die meisten finster und argwöhnisch umherblickend, waren mitihm. Mehr als zweitausend Bischöfe, Äbte, Prioren, Klerikerjedes Grades gingen vorauf oder folgten.

In der Peterskirche angekommen, warf sich Urban amApostelgrabe nieder und betete. Dann nahm er auf der Cathe-dra Platz.

Urban bezog den Vatikan . Dieser Palast war zu seinemEmpfange hergestellt worden. Aber wie der S. Peter, wieganz Rom , bot er den Anblick trostlosen Verfalles dar.

Die Römer hatten Urban die Signorie übertragen und erhatte ihnen den Ritter Blasius Fernandi de Belvisio zum Senatorgegeben.

Aber Urban begnügte sich hiermit nicht, sondern er ver-änderte die städtische Verfassung. Er zog den Lohn der Rück-kehr des Papstes ein, in Gestalt der ihm geopferten Freiheit des