1096
Das 14. und 15. Jahrhundert
Am 30. Oktober 1413 hatte der deutsch-römische Königder ganzen Christenheit bekannt gemacht, daß, nach einerÜbereinkunft mit Papst Johann, am r. November des folgendenJahres in Constanz ein allgemeines Konzil eröffnet werdensollte. Er lud zu dessen Beschickung alle Prälaten, Fürsten ,Herren und Doctoren der Christenheit feierlichst ein.
Ende November traf Johann XXIII . mit König Sigismundin Lodi zusammen. Hier Unterzeichnete Sigismund am 9. De-zember die Einladungsbulle zu einem „allgemeinen“ Konzil nachConstanz, und gab das Versprechen, selbst dahin zu kommen.Für das Konzil gewann Sigismund England, die Reiche Ost-europas und die Mehrzahl der italienischen Staaten.
Am 28. Oktober 1413 traf Johann XXIII. in Constanz ein,wo er als Papst feierlich empfangen wurde.
Bischöfe und Prälaten, Herren und Boten vieler Ländererfüllten bereits den kleinen Ort, welcher solche Menge nichtzu fassen vermochte. *)
Das Völkerkonzil stellte sich unter die Autorität Sigis-munds. Sigismund kam nicht zur Eröffnung desselben, sonderner traf erst zu Weihnacht in Constanz ein, nachdem er sich am8. November in Aachen hatte krönen lassen.
Das Konzil war ein Parlament der Nationen, wie es dieGeschichte bisher nicht gesehen hatte, und eine Versammlungder glänzendsten Talente der Zeit, die als Abgeordnete derUniversitäten auch die Wissenschaft vertraten.
Die Verhandlungen in Constanz verliefen in den erstenMonaten wenig aussichtsvoll. Johann XXIII. , welcher zunächstden Vorsitz führte, mußte bald einsehen, daß er, der lediglichals Hemmschuh der Kircheneinigung wirkte, weichen müsse.
*) In dem sechsbändigen Werk von H. v. Hardt (Magnum oecumcni-cum Constantiense Concilium, Frankfurt und Leipzig 1697—1700) findet sichdie Mitteilung „Auf dem Konzil waren anwesend: Ritter 2400, Prälaten18000, Laien 80000, meretrices vagabundae 1500. Der See von Constanz verschlang nach und nach 500 Menschen.“