Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Von 1378 bis 1420 1099

diesen nach Rom , um hier den neapolitanischen Einfluß her-zustellen.

Isolani war zum Widerstand zu schwach. Man schloß eineÜbereinkunft, wonach die Belagerung der Engelsburg aufge-hoben ward. Das Kastell fuhr fort, der Stützpunkt der neapoli-tanischen Macht in Rom zu sein, wo sich demnach zwei Autori-täten neben einander behaupteten. So blieben die Dinge un-entschieden, bis ein dritter Prätendent vor den Mauern erschien.

Dies war ein kühner Bandengeneral, Braccio, genannt Forte-braccio, bisher Kapitän im Dienste Johanns XXIII. und nebenSforza der erste Kriegsmann seiner Zeit.

Braccio erschien am 3. Juni 1417 vor Rom . Er lagerte zu-erst beim Castello Giubileo, dann zog er am 9. Juni nach S. Ag-nese vor dem Tor. Dem Kardinallegaten Isolani, welcher mutigzu ihm hinaus ging und nach dem Grunde seines Kommensfragte, antwortete der Bandengeneral: er habe seinen Grundmit den Päpsten gemein, die Herrschbegierde. Er wolle außer-dem die Stadt bewachen, so lange die Yacanz des heiligen Stuhlsdaure und der Papst abwesend sei.

Am 1 6 . Juni 1417 ritt der Kardinal mit allen Magistratennach der Porta Appia, um Braccio die Signorie Roms zu über-tragen. Statt der Schwerter schwangen die Römer Palmen inden Händen, und sie zogen einher mit dem Ruf:Es lebe Brac-cio! Der Bandenführer hielt hierauf seinen Einzug in dieHauptstadt, die ihn aus Not und mit tiefer Beschämung alsihren Herrn anerkannte. Er nahm Wohnung in S. Maria aufdem Aventin, nachdem der Kardinallegat mit dem Senator zurneapolitanischen Besatzung in die Engelsburg geflohen war.

Braccio legte sich den Titel Defensor Urbis bei. Er er-nannte einen Senator, Ruggiero Grafen von Antigliola, seinenLandsmann, während der Kardinal Stefaneschi sich das Amteines Vicars für die Kirche anmaßte. Am 8. Juli bezog Braccioden Vatican, um von hier aus die Belagerung der Engelsburg zubetreiben.Dieses Kastell stand mit der Meta des Romulus inVerbindung, einem pyramidenförmigen Grabmal bei S. Maria

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