Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Von 1447 bis 1484

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Jeden Abend und jeden Morgen pflegten sich Leonardo undCarlo von Arezzo, Giannozzo Manetti, Giovanni Aurispa , Gas-paro von Bologna , Poggio und andere Gelehrte in der Nähe desPalastes der Signorie unter freiem Himmel zu freundschaftlichenund literarischen Besprechungen zu versammeln. Zu ihnen ge-sellte sich regelmäßig Tommaso Parentucelli . Gewöhnlich, nach-dem er seinen Kardinal nach Hause geleitet, kam er in blauemAnzug mit zwei einfach gekleideten Dienern auf einem Maul-tier eilig herangeritten, um dann mit größtem Eifer sich an denDisputationen jener Schöngeister zu beteiligen, öfters suchteParentucelli auch die Akademie von S. Spirito auf, wo er mitMännern wie dem frommen Magister Vangelista da Pisa überphilosophische und theologische Fragen disputierte. Am häufig-sten aber sah man ihn bei den Buchhändlern der Arnostadt: zuihnen wanderte alles Geld, das er aufbringen konnte.

Im Dezember 1446, wenige Monate vor seiner Papst-krönung, erhielt Parentucelli den roten Hut der Kardinäle.

Die Zeitgenossen schildern ihn im Äußeren als einen kleinenschmächtigen Mann mit scharf geschnittenem Gesicht, blitzen-den, schwarzen Augen und bleicher Gesichtsfarbe.

Als Nicolaus V. am 24. März 1455 starb, konnte von ihmgesagt werden, daß erwenig Böses verschuldet und viel Gutesgeschaffen habe.Die Schätze, die er aufgehäuft, hatte er wederin Kriegen verbraucht, noch an Nepoten verschleudert.AlsPapst hatte er das bedürfnislose Leben eines Magisters geführt.Sein Ehrgeiz war auf das eine Ziel gerichtet, das Papsttummit imponierender Pracht in die Erscheinung treten zu lassen,zugleich aber dessen Autorität zu vergeistigen, indem er es zumMittelpunkt auch der wissenschaftlichen Welt machte.

Alles was Nicolaus V. unternahm, war dazu bestimmt, dasAnsehen des heiligen Stuhles zu erhöhen.

Am Ende seines Lebens sagte Nicolaus V. :Ich habe dieheilige römische Kirche, welche ich von Kriegen verstört undvon Schulden erdrückt vorfand, so reformiert und so befestigt,daß ich ihr Schisma tilgte, und ihre Städte und Schlösser wieder-