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ein Kerker erscheinen, dem sie entronnen war. Freilich waralles, was sie in Pesaro umgab, kleinlich, im Vergleich zu denGrößenverhältnissen Roms, aber hier war sie dem unmittelbarenEinfluß des Willens ihres Vaters und Bruders entrückt, von demsie der Appennin und eine damals weite Entfernung trennten.“(Gregorovius.)
Die Ereignisse, welche unterdessen Italien umgewälzt hatten,führten Lucrezia nach Rom zurück, nachdem sie in Pesaro einJahr lang in Ruhe gelebt hatte.
Giovanni Sforza wurde bald ein Gegenstand der Verfolgungdes Papstes, welcher die Ehe mit Lucrezia um jeden Preis tren-nen wollte, um seine Tochter einer anderen Ehe zuzuführen.
Lucrezia , hiervon durch ihren Bruder Cesare unterrichtet,warnte ihren Gemahl, worauf dieser Hals über Kopf nach Pe-saro entfloh.
Die Chronisten berichten darüber: „Johann Sforza warfsich auf ein türkisches Pferd und jagte mit verhängten Zügelnin vierundzwanzig Stunden nach Pesaro , wo das Pferd tot zu-sammenstürzte.“
Am 20. Dezember 1497 erfolgte sodann die gerichtlicheScheidung, in deren Folge Sforza die Mitgift seiner Gattin von31 000 Dukaten wieder herausgab.
Alexander hatte die Ehe seiner Tochter aus politischenGründen aufgelöst. Der vom Papst für Lucrezia erwählte Gatte,Alfonso d’Aragon, Herzog von Bisceglia (oder Biseglia oderBiselli), auch Fürst von Bisceglia und Quadrata genannt, (nachden beiden Städten, die der König von Neapel ihm gab), war17 Jahre alt, als er am 20. Juni 1498 im Vatikan der 18 jährigenLucrezia angetraut wurde. Am 21. Juli wurde die Vermählungim Vatikan kirchlich eingesegnet. Zeugen dieser Handlungwaren die Kardinäle Ascanio, Juan Lopez und Juan Borgia.
An den folgenden Tagen wurden große Feste gefeiert, andenen Alexander VI. sich mit jugendlicher Frische beteiligte.
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