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aus dem Denkmalprojekt übrig gebliebenen großartigen Ver-mächtnisses Michelangelos : die drei herrlichen Bildwerke desMoses (Idealisierung Julius’ II .) sowie der Lea und der Rahel(„Beschaulichkeit und Tätigkeit“), der einzigen Bestandteile desdortigen „Grabmonument des Julius’ II“, welche von Michel-angelo herrühren.
Zur Orientierung über die Chronologie über die weiterenLebenswerke Michelangelos sei hier vorgreifend vermerkt, daßdie Arbeiten für die Kapelle der Mediceer zu S. Lorenzo inFlorenz in die Jahre 1520 bis 1536 (unter Leo X. und Cle-mens VII. ), die Schöpfung des jüngsten Gerichtes in die Zeitvom Frühling 1536 bis 31. Oktober 1541 (unter Paul III. ) fallen.
X.
Im Jahre 1508 erschien der Genius Raffael Santi als leuch-tendes Gestirn am Himmel des römischen Kunstlebens. Vasari beginnt die Lebensbeschreibung des „göttlichen Urbinaten“ mitfolgenden Worten: „Die Natur, durch die Hand Michelangelos von der Kunst besiegt, beschenkte die Welt mit Raffael , umvon diesem nicht nur durch die Kunst besiegt zu werden, son-dern zugleich durch sein persönliches Wesen“ („dall’arte e daicostumi insieme“).
Raffael verkörperte in seinen ersten Schöpfungen die stilleSinnigkeit der Schule seiner Heimat, verstand es aber dann,eine erstaunliche Zahl fremder Eindrücke in sich aufzunehmenund sich zu eigen zu machen. Zu voller Entfaltung gelangte seinGenius in Florenz, wo Leonardo da Vinci und Fra Bartolomeo eine mächtige Einwirkung auf ihn ausübten.
Im Jahre 1504 hatte sich Raffael nach der Arnostadt be-geben. Noch im April 1508 war er dort tätig. Im Herbst des-selben Jahres erschien er in Rom . Der Fünfundzwanzigjährigebat damals (5. September 1508) seinen Freund, den Maler Fran-cesco Francia (Raibolini) in Bologna (1450—1518), um Verzei-hung für den Aufschub der Sendung seines Bildnisses. „Ich konn-te es wegen meiner vielfachen und wichtigen Beschäftigungen“,heißt es in dem Briefe, „bis jetzt noch nicht eigenhändig malen,