Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom von 1492 bis 1592

Am i2. Mai 1590 konnte aus Rom gemeldet werden:Un-ser Herr Papst Sixtus V. hat zu seinem dauernden Ruhm undzur Beschämung seiner Vorgänger das gewaltige Werk der Kup-pelwölbung von St. Peter vollendet. Am 14. Mai 1J90, einemherrlichen Frühlingstag, wie hervorgehoben wird, wurde nacheiner feierlichen Dankmesse in St. Peter der letzte Stein mitdem Namen Sixtus V. versehen und eigens geweiht in die Kup-pel eingesetzt. Sixtus konnte noch einige Monate lang vomQuirinalpalast ausdie schönste und erhabenste Umrißlinie, diejemals in der Baukunst zur Ausführung gelangt ist, bewundern,bis er am 27. August einem Kranksein erlag, welches gerade umdie Zeit der Vollendung der Peterskuppel begonnen hatte, alsin Rom eine überaus große Hitze eingetreten und mit diesereine jener gefürchteten römischen Fieberepidemien ausgebro-chen war, welche dort dauernde Sommerhitze zu begleitenpflegen.

Bevor unsere Darstellung sich von der Persönlichkeit Six-tus V. abwendet, sei daran erinnert, daß wir uns nur mit derGeschichte der Stadt beschäftigen, und daß die gesamte, weit-reichende Staatspolitik des Papstes außerhalb unseres Rahmensliegt, ebenso wie dessen vielbewunderte Finanzpolitik sowieseine Bekämpfung des Räuberwesens im ganzen Kirchenstaatund besonders in der Campagna.

Die von jeher geteilte Beurteilung der Gesamtregierungund der Persönlichkeit Sixtus V. hat sich in der neuesten histo-rischen Literatur mehrfach gegen früher geändert. Aber Ge-schichtsschreiber verschiedener Richtung stimmen jetzt darinüberein, daß Sixtus V. einer der gewaltigsten unter den vielenbedeutenden Päpsten ist, die das Zeitalter der katholischen Re-stauration (15341772) hervorbrachte.

W. v. Pastor urteilt:Die Nachwelt hat diesem Papste,der in höchst kritischer Zeit voll Gottvertrauen mit altrömi-scher Energie und Klugheit das Schifflein Petri leitete, mit Un-recht den Namen des Großen vorenthalten.