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Zweites Buch- Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft.
fach die Zuweisung von Ackerland in der Hand; sie mußte Bedürfnis werden, wo nichtviel überflüssiges Bauland vorhanden war; sie ergab sich da von selbst, wo die Sippengemeinsame Rodungsarbeiten vornahmen oder gemeinsam das Feld bestellten. Hier liegtder Kern aller Feldgemeinschaft. Auch zu gewissen Jagdarten wirken alle oder einzelneGenossen zusammen. Die Plätze für Heiligtümer und Zusammenkünfte, die Hallen fürsolche und für Unterbringung der kriegerischen Jugend, der Fremden, der Schiffe sindSippeneigcntum; ebenso die Vorratshäuser und ihr Inhalt, die Schutzbauten; gemein-same Speisung besonders der kriegerischen, kasernierten Jugend kommt vor. Bei vielenStämmen siud Einrichtungen, wie wir sie von den Spartanern her kennen. Wo wirsie treffen, können wir sicher sein, daß ihr Ursprung in der Gentilverfassung liegt.
Wir sehen die Sippen das Recht der Vormundschaft der Minderjährigen und derVerheiratung der mannbaren Töchter da und dort in Anspruch nehmen; die Gens hatteilweise ein Recht der Erbfolge an dem beweglichen Besitz der Genossen, während danebenauch schon die Kinder gegenüber Mutter und mütterlichem Onkel ein solches beanspruchen.
Die Funktionen und Rechte der Gens sind von denen der Muttergruppen undIndividuen, später von denen der Familie sehr verschieden abgegrenzt. Die Gemeinsam-keit konnte eine sehr beschränkte und eine relativ weitgehende sein. Wohl nur untergünstigen Umständen gelang den fähigsten Rassen eine sehr starke Zusammenfassung.Aber je mehr sie gelang, desto kräftiger konnte der Stamm auftrete», seiner Feinde Herrwerden, wirtschaftlich und kulturell vorankommen. Wo 50—100 erwachsene Männergewohnt waren, in der Schlacht und bei gewissen Arbeiten zusammen zu stehen, einemBefehle zu folgen, wo die Stammesvorstäude mit ihren Befehlen sich nur an die wenigenGcntilvorstände zu wenden brauchten, da war ein Princip der Zucht, der Ordnung vor-handen, eine Kraftzusammenfassung gelungen, welche allein bei dem niedrigen Standeder damaligen Technik große Erfolge garantierte.
Die Voraussetzung für das Entstehen und die Blüte dieser genossenschaftlichenGruppen war, daß noch keine sehr erhebliche geistige und körperliche Differenzierung unterden Genossen, noch kein bedeutender individueller Besitz vorhanden war, noch weniger erheb-liche Bcsitzunterschiede. Auch die innerhalb der Gens vorhandenen Muttergruppen durstenkeine zu feste individuelle Sonderorganisation erreicht haben, noch dürfte da, wo dasVatcrrecht mit Eigentum, Herdenbesitz und Sklaven, mit Weiberkauf und starker väter-licher Gewalt über Söhne und Töchter sich auszubilden anfing, dieses sich schon inseinen ganzen Konsequenzen befestigt haben. Nur leise Anfänge einer Arbeitsteilunginnerhalb des Stammes, einer Bildung aristokratischer Kräfte, einer Umwandlung derHäuptlingswürdc in befestigte Königsgewalt durften die Gentilverfassung begleiten, solange sie ihre volle Wirksamkeit behaupten sollte. In der Regel hatte jede Gens mehreregewählte Friedenshäuptlinge, nur für die Kriegszeit einen Kriegshäuptling; die Wahlbedürfte der Bestätigung durch Phratrie oder Stamm; die Absetzung war in bestimmtenFällen üblich. Die Versammlung der sämtlichen Häuptlinge der Gentes regierte, inbestimmten Fristen als Keim der späteren Senate zusammentretend, den Stamm. Aberim ganzen waren diese führenden Organe der Gentes und des Stammes noch meistohne zu viel Gewalt und Macht. Der wirkliche Zusammenhalt des Stammes beruhteauf dem durch Sitte und Kult geheiligten innigen brüderlich-genossenschaftlichen Zu-sammenhang der Männer und Weiber jeder Gens in sich und aus den Geschlechts-beziehungen der Glieder jeder einzelnen Gens in die andere hinüber, auf der Thatsache ,daß der ganze Stamm doch noch wie eine große Verwandtschaftsgruppe sich fühlte, inder jeder jeden persönlich kannte und mit seinem genauen Verwandtschaftstitel anredete.
Gegenüber den Zuständen in den kleineren, älteren Horden von einigen Dutzendenzusammenlebender Menschen bildet die Stammesversassung mit Sippen den großen Fort-schritt, daß sie statt einiger Dutzend schon Hunderte, ja mehrere Tausende von Menscheneinheitlich zusammenfaßt, daß sie durch das feste Mittelglied der Sippe die einzelnenund kleine Gruppen mit dem ganzen Stamme verbindet, daß sie sür einzelne großemilitärische und wirtschaftliche, Friedens- und politische Zwecke die Gentilgenosscnschaftenals geordnete, eingeschulte, große Gruppen verwendet; die Sippenverfassnng will mir