Historischer Überblick der Größe der Staaten und ihrer Finanzen.
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staaten: Sicilien unter Friedrich II., Böhmen unter Karl IV., Burgund, Florenz, Genua ,Mailand im 14.—15. Jahrhundert, Holland und selbst England im 17. Jahrhundert;über eine Bevölkerung von 1—2, ausnahmsweise 5 Millionen sind sie, wie wir schonsahen, alle nicht gekommen. Auf die 2 Mill. Holländer rechnet Davenant 1688 94, aufdie 5 Mill. Engländer 70 Mill. Mark Staatseinkünfte, die letzteren waren 1790 auf340 Mill. Mark gewachsen. Brandenburg-Preußen hatte
1688 ca. 112 000 Geviertkilomcter, 1,s Mill. Menschen, 8,2 Mill. Mark Netto-Staatseinkommen,1740 - 122 000 - 2,2 - - 24 - - -
1788 - 194 000 - 6,t - - 57 - - -
Andere Staaten waren schon früher zu großem Umfang gekommen, wie Spanien ,Frankreich, Österreich ; Karls V. Einkommen wird aus 4,s Mill. Dukaten, (45 Mill.Mark) angegeben, während Luther zur selben Zeit einen reichen Grafen zu 24 000,einen namhaften Fürsten zu 240 000, einen mächtigen König zu 2 400 000 heutigerMark schätzt. Aber mit ^ der Größe der Staaten nahm meist noch die wirtschaftlicheLeistungsfähigkeit ab: Österreich erreichte unter Karl VI. wohl 550 000 Geviert-kilometer und 20 Mill. Seelen, aber fein reines Staatscinkommen überschritt 44 Mill.Mark nicht; es handelte sich um eine Zusammenfassung von Ländern und Gebieten inähnlicher Art, wie feiner Zeit im Altertum; die Teile blieben felbständig.
Auch heute gilt das zum Teile noch für die ganz großen Staatsgebilde; aber diemit 2—500 000 Geviertkilometern und 10—60 Mill. Einwohnern sind überwiegend dochschon zu eiuer homogenen Bevölkerung und zu ganz einheitlichen Wirtschafte und Finanz-einrichtungen durchgedrungcn. Ich füge zum Vergleich mit früher die folgenden, über-wiegend Lcvasseur entnommenen Zahlen über Gebiet und Einwohnerzahl einiger derwichtigeren größeren Staaten bei:
1000 Geviertkilometcr Millionen Einwohner^ hatten Iggg Iggy 1880—83 1896-99
Europäisches Großbritannien....... 313 16,2 36 40
Dasselbe mit seinen Kolonien....... 23109 306 387
Frankreich ............. 528 33 38 38
Dasselbe mit seinen Kolonien....... 2 849 70
Deutschland ............. 540 27 46 55
Dasselbe mit seinen Kolonien (1899) .... 3 120 — — 76
Preußen .............. 348 8,» 28 32
Schweiz .............. 41 1,8 2,» 3,i
Österreich-Ungarn ........... 674 26 37,° 44
Italien .............. 288 — 30 32
Europäisches Rußland ......... 6 477 89 94
Dasselbe mit seinen asiatischen Besitzungen . . 21914 — 104 129
Vereinigte Staaten.......... 9 346 — 58 63
Die finanziellen Kräfte einiger der wichtigsten dieser Staaten seien durch diefolgende kleine Tabelle veranfchaulicht, welche Bruttobudgets in Millionen Mark teil-weise mit schätzenden Ergänzungen giebt; z. B. ist die neuere preußische Zahl gewonnendurch Zuschlag eines entsprechenden Beitrages aus dem Reichsbudget:
1820—30 1862 1884—85
Großbritannien ......... 1400 1414 3300
Frankreich .......... 768 1330 2604
Rußland........... 480 992 1731
Österreich-Ungarn........ 332 914 1698
Preußen ........... 240 444 1337
Die enorme Steigerung der finanziellen Kräfte im letzten Menfchenalter ist klarersichtlich. Die neuesten Zahlen ergeben das noch mehr; das preußische Bruttobudget 1899bis 1900 hat 2Z26 Mill. Mark Einnahme und Ausgabe (wovon freilich 1050 Mill. MarkBetriebsausgaben hauptsächlich der Eisenbahnen sind), dazu 60°/o des Reichsbudgets,gäbe 4162 Mill. Mark Bruttobudget, und ohne die 1050 Mill. Mark wenigstens2212 Mill. Mark, also immer noch fast das 10fache von 1820—30.