Die Entstehung des Handels und der Händler.
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Der ältere Kaufmann ist so im ganzen wie der Priester und der Krieger einearistokratische Erscheinung. Der Handel größeren Stils bietet noch leichtere Möglich-keiten des Gewinnes als jene Berufe; er ist lange ein Monopol bestimmter Stämme,Städte, Familien; er fordert Talent, Mut, Charakter, er bietet Gelegenheit zu List,Gewalt und Herrschaft; daher ist der Merkur der Gott der Kaufleute und der Diebe.Für die naive ältere Auffassung ist der Kaufmann der stolze, hochmütige, zungenfertige,sprachkundige, weltbürgcrliche, von der Heimat losgelöste Völkervermischer, welcher Kultur,Luxus, höhere Gesittung, aber auch Auflösung der bestehenden Sitten und allerlei Lasterbringt. Neben dem aristokratischen Kaufmann, der in die Fremde zieht, stehen nun aberteils von Anfang an, teils bald darauf weitere arbeitsteilige Glieder von Handel undVerkehr, die mehr dem Mittelstande oder gar den unteren Klassen angehören. Schondie kleineren Hausierer, die teils im Gefolge des großen Kaufmannes, teils selbständigmit etwas höherer wirtschaftlicher Entwickelung entstehen, gehören Hieher.
In dem Maße, wie aus den älteren Märkten, die einigemale im Jahre bei Ge-legenheit der Gerichts- und Volksversammlung, der kirchlichen Feste gehalten werden,täglich stattfindende Märkte werden, treffen wn seßhafte Kleinkaufleute, Krämer, Höker,welche, mit kleinem Gewinn sich begnügend, den lokalen Detailhandel übernehmen; esentsteht daneben ein offizielles Marktpcrfonal von Marktmeistern, Messern, Trägern,Maklern, Warenprobierern, denen sich erst der sremde Münzer und Geldwechsler, dannder heimische zugesellt. Aus letzteren erwächst später der Bankier und das ganze Kredit-geschäft, das aber lange auch von anderen Großkaufleuten, von Klöstern und Stadt-verwaltungen, von Goldschmieden nebenher betrieben wird, erst im Laufe der letzten200 Jahre feine große, felbständige Ausbildung, seine Specialitäten, seine innere, weit-gehende Arbeitsteilung empfangen hat.
Das Verkehrsgeschäft ist sehr lange Sache des reisenden Kausmanns selbst. Erverpflegt sich unterwegs selbst oder nimmt Gastfreundschaft in Anspruch, er besitzt eigeneSchiffe, Pserde und Wagen, er oder seine Diener begleiten die Waren selbst. Im Orientkehrt er noch heute in der von den öffentlichen Gewalten hergestellten Karawanserei ein,die ihm nur leere Räume bietet. Gasthäuser sind erst langsam im Mittelalter auf-gekommen, noch im vorigen Jahrhundert mußte die preußische Verwaltung sich bemühen,sie durch besondere Begünstigungen ins Leben zu rufen, während heute das Gasthaus,die Bank und die Poststelle die ersten Häuser einer städtischen Neugründung in Amerika sind, und die europäische Gasthausindustrie eine der großartigsten, technisch und aucharbeitsteilig vollendetsten ist.
Die Entstehung eines besonderen Frachtgewcrbes haben wir am Wasser zu suchen.Der Schiffer, der freilich lange zugleich Fischer bleibt, auch einzelne Zweige des Handels,so hauptsächlich den Getreide- und Holzhandel, mit seinem Frachtgewerbe verbindet,nimmt den Kaufniann und seine Waren schon bei den Phönikern und im Altertumeauf; aber daneben bleiben vielfach die Großkausleute der Seestädte Reeder und Schiffs-besitzer bis heute. Viel langsamer entwickelt sich ein besonderes Frachtfuhrgcschäst ausdem Lande. Das Altertum hat nur Spuren davon; die neueren Zeiten haben es vom15.—18. Jahrhundert laugsam entstehen sehen; die Metzger und Bauern an den Haupt-straßen beschäftigen lange ihre Pferde nebenher in dieser Weise, bis das regelmäßigeFrachtsuhrgcschäft als selbständiges Gewerbe sich lohnte. Eine Post im Dienste derkaiserlichen Verwaltung hat das Altertum gekannt, aber nicht im Dienste des Verkehrs;erst aus den städtischen und fürstlichen Botenkursen des 15. —17. Jahrhunderts sind diePosten unserer Tage als selbständige, dem Bries-, Personen- und Frachtverkehr dienendeInstitute erwachsen. An sie knüpfen sich als große Privatunternehmungen oder Staats-institute unsere heutigen Eisenbahnen, Telegraphenanstalten, Postdampserlinien, Telephon-einrichtungen mit ihrem arbeitsteiligen Personal von Tausenden von Personen.
Alle diese Institutionen zusammen haben vom 16. Jahrhundert an unsern Handelund seine Einrichtungen in den civilisierten Staaten und zwischen ihnen gänzlich um-gestaltet. Nun konnte der Kaufmann zu Hause bleiben, durch Briefe und Frachtgeschäfte,welche andere besorgten, seinen Handel abmachen; er brauchte nicht mehr in gleichem