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Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft.
Molkereikundige, Inspektoren, Buchhalter, Maschinenwärter neben den Stallknechten undTagelöhnern heranzuziehen.
Ist aus dem vorstehenden klar, daß der landwirtschaftliche Betrieb, so mancherleier gegen früher abgestoßen hat, doch keine Teilung der Produktion, wie der gewerblicheverträgt, daß die Leiter und die Hülfskräfte sich nicht so specialisieren können, wie inder Industrie, so ist damit zugleich erklärt, warum die Landwirtschaft technisch, wirt-schaftlich, psychologisch etwas für sich bleibt. Sie behält stets ein gut Stück Eigen-produktion; sie erhält mehr den familien- und hauswirtschaftlichen Charakter schondurch ihren isolierten Standort. So sehr der Landwirt rechnen, den Kredit zu benutzenlernen, die Konjunkturen studieren soll, er kann nie so sehr Spekulant, nie so von derGeld- und Kreditwirtschaft erfaßt werden wie der Industrielle und Kaufmann. Wieer deshalb wirtschaftlich, psychologisch und ethisch seit Jahrtausenden als der Antipodeder andern Hauptberufszweige angesehen wurde, so wird er es auch künftig immer biszu einem gewissen Grade bleiben.
An den Boden gebunden, von Natur und Wetter stets ebenso abhängig wie vonKunst und Technik, glaubt der Ackerbauer nicht so an Neuerung und Fortschritt wieder Gewerbetreibende. Er ist auch nicht so sparsam, so eifrig; er bleibt leichter imSchlendrian stecken; der große Grundbesitzer ist leichter ein luxuriöser Verschwender alsder große Fabrikant und Kaufmann. Aber dafür hat der Landmann mehr Achtungvor der Sitte, ist ein gesünderer und besserer Soldat, ein treuerer und zäherer Patriot.Das Familien- und das Staatsleben haben kein besseres Fundament als einen bewährtenStand mittlerer besitzender Ackerbauern, neben dem auf der einen Seite eine grundbesitzendeAristokratie, auf der anderen eine Mehrzahl kleiner Stellenbesitzer und auf Parzellenwirtschaftender Handwerker, Arbeiter und Tagelöhner stehen. Auch die höchste Ent-wickelung einer arbeitsteilig gegliederten Volkswirtschaft hat sich bis jetzt mit einemsolchen Ideal der Ackerbauorganisation Wohl vertragen.
Der Begriff der gewerblichen Thätigkeit in dem eingeschränkteren Sinne, inwelchem heute das Wort als Gegensatz zu Landwirtschaft, Handel und Verkehr gebrauchtwird, ist erst ein Ergebnis der neueren Arbeitsteilung. Man versteht darunter den-jenigen Teil der wirtschaftlichen Produktion, welcher auf Formveränderung von Roh-stoffen und auf Dienstleistungen persönlicher Art gerichtet, durch besondere Berufsbildungund Arbeitsteilung aus der Haus- und Landwirtschaft geschieden, nicht zu dem Handelund dem Verkehr und den höheren persönlichen Dienstleistungen (liberalen Berufen)gerechnet wird. Alle gewerbliche Thätigkeit entspringt bestimmten Handgriffen undtechnischen Geschicklichkeiten, die ursprünglich Bestandteile der primitiven Lebens- undErnährungsweise einzelner Stämme waren; einzelne Jäger hatten Waffen, einzelneFischer Boote, einzelne Bergstämme eiserne Werkzeuge bereiten gelernt, unendlich langeZeiten hindurch erhielt sich der Besitz solcher Fertigkeiten in den betreffenden Stämmen;nur wenig Neues kam durch Fremde oder durch Nachbarn hinzu, und was die Haupt-sache ist, die meisten dieser Fertigkeiten blieben lange Gemeinbesitz der Stammesgenossen;noch in der ältesten patriarchalischen Hauswirtschaft der Semiten und Jndogermanentreffen wir kaum technische Sondcrthätigkeiten, die ausschließlich von einzelnen geübtwurden. Nur wo eine gewisse Rassenmischung oder -Berührung begonnen hat, wird eslangsam anders.
In den ältesten Quellen der Eranier treten als einzige Handwerker die Erz-schmelzer, die zugleich die Metalle verarbeiten, in den indischen Vedas (900 v. Chr.)neben diesen schon Holzarbeiter auf, die um Entgelt für andere ausüben, was heuteder Zimmermann, Wagenbauer, Tischler, Schnitzer besorgt. Der Schmied ist allerwärtsder erste und wichtigste Handwerker. F. Lenormant behauptet, es sei diese Kunst vonder turanischen Rasse auf die anderen Völker des Orients übergegangen. Bei denJnden ist der Schmied in den Tagen König Sauls kein Stammesgenosse wie heutenoch bei vielen Stämmen Afrikas . Bei den Südgermanen traten die Schmiede undandere Handwerker zuerst als zugekaufte Sklaven auf, bei den Nordgermanen habenKönige und Häuptlinge die Kunst des Schwertschmiedcns zuerst geübt. Das Wahr-