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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
Entstehung
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KAPITEL II.

fäden den Kettenfäden in Farbe und Lagerung genau ent-sprechen, Carreaux genannt werden.

Die wichtigsten Modificationen bei der Kette werdendadurch hervorgebracht, dass die Fäden derselben in ver-schiedene Geschirre gehängt werden, die unabhängig voneinander durch die Trittbretter bewegt werden können. Da-durch ist es möglich, die Einschussfäden nicht immer blossüber und unter einen, sondern über und unter mehrereKettenfäden zu führen. Werden die auf diese Weise zu er-zeugenden Muster aber so complicirt, dass zur Bewegungder Schäfte mehr wie 4 oder gar 8 Tritte nothwendig wären,so würde das Treten auf den einzelnen Trittbrettern zuschwer und unbequem sein, und man lässt diese Muster aufden sogenannten Ratieres oder den noch feiner ausgebildetenJacquardstühlen weben.

Das Princip derselben besteht darin, dass zwischen denLitzen und dem Trittmechanismus, der hier nur ein einzigesTrittbrett hat, ein Apparat eingeschaltet wird, welcher diedurch den Tritt empfangene Bewegung gewissermassen ver-theilt, und so bewirkt, dass bald jene, bald diese Litze indie Höhe geht. Dieser Apparat ist ungefähr folgender-massen eingerichtet. Die Litzen, durch deren Löcher dieKettenfäden wie beim gewöhnlichen Webstuhl durchgeführtsind, schweben nach unten zu frei, aber beschwert mit Blei-gewichten, in der Luft, und sind an ihrem oberen Ende anMetallstäbePlatinen, befestigt. Letztere haben oben einehakenförmige Krümmung, in welcher ein quer über die ganzeBreite des Geschirrs reichendes Messer eingreifen kann, dasses die Platinen mit den daran befindlichen Litzen soweit indie Höhe heben kann, als zur Bildung eines Fachs erforder-lich ist. Allein nicht bei jeder durch das Trittbrett verur-sachten Hebung sollen alle Platinen in die Höhe gehobenwerden. Um dies zu erreichen, befindet sich neben denPlatinen ein Cylinder, über welchen mehrere zu einer Ketteohne Ende zusammengeheftete Pappenblätter hinlaufen. DieseBlätter werden nun von dem Cylinder, der durch dasselbeTrittbrett, welches das Messer hebt, bewegt wird, an eineReihe von Stiften angedrückt, welche ihrerseits die Platinen