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Kapitel iv.
Der springende Punkt in der Frage nach der Verdienst-losiglceit der Weilerthaler Weber liegt auf ganz anderemGebiete.
Nach dem übereinstimmenden Urtheil aller derjenigenFabrikanten, welche ihre Gewebe in verschiedenen Gegendenanfertigen lassen, sind die Weber des Weilerthales von allenArbeitern weitaus die schlechtesten. Es existiren zwar auchdort Leute, welche Tüchtiges leisten, und namentlich zeichnensich die Bewohner von Steige, und in zweiter Linie die vonSt. Moritz dadurch vor den übrigen aus, im allgemeinenaber werden die Weilerthaler als nachlässig und ungeschickt,und daher zu jeder feineren und schwierigeren Arbeit un-tauglich geschildert.
Auch der Umstand, dass die Weilerthaler Weber inder überwiegenden Mehrzahl noch Landbauer sind, wird vonden Fabrikanten als verderblich beklagt. Die durch jene Be-schäftigung unvermeidlich entstehende Rauhheit der Händeschade ihrer Weberarbeit ganz beträchtlich; auch leide diePromptheit der Ablieferungen häufig unter der Nothwendig-keit, die dringenden Feldarbeiten zu verrichten.
Alles dies hat nun zur Folge, dass nur die geringerenSachen, die baumwollenen und halbwollenen Stapelartikel,sowie die Tüchel den Weilerthaler Ilauswebern zur An-fertigung übergeben werden, während die Neuheiten nurden Atelierarbeitern und höchstens einigen der besserenHauswebern anvertraut werden.
Damit ist alles klar. Denn wie oben gezeigt wordenist, sind es gerade diese geringwerthigen Artikel, welche amschlechtesten, oft ganz miserabel bezahlt werden, und zweitenshaben gerade diese Artikel am meisten durch die Concurrenzder Schweiz beziehungsweise Sachsens zu leiden, sind sie esgerade, denen allein die Veränderung der französischen undamerikanischen Zollverhältnisse Nachtheil gebracht haben,und sind sie es allein, welche die Concurrenz des mechani-schen Webstuhls nur mit Mühe ertragen können, kurz, sindes gerade die Stapelartikel und Tüchel, die am aller-schlechtesten gehen, und kaum Aussicht haben, jemals wiedereine günstige Position auf dem Weltmarkt zu erringen.