166 II. GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER FELDGEMEINSCHAFT.
vertheilt werde. Sie behaupten, es sei ungerecht, dass diejenigen,welche nicht gearbeitet haben, von den Früchten jener Arbeitzehren; die Neurodungen sollen vielmehr bei den Dörfern ver-bleiben, welche sie gemacht haben, und das Ackerland sei so, alsob dieses neu gerodete Land gar nicht da wäre, zu vertheilen.Damit sind aber ihrerseits diejenigen Dorfgemeinschaften, welchewenig oder gar keine Rodungen besitzen, nicht einverstanden.
Neben diesen Avirthschaftlichen Interessengegensätzenkommen noch viele andere Factoren zur Geltung. Von nichtgeringem Einfluss sind die in der Grösse des Verbandes wurzeln-den Momente, welche bekanntlich auch die Existenz der grosseneinfachen Dorfgemeinschaften in beträchtlichem Maasse er-schweren. Jede Umtheilung in der Markgemeinschaft erfordertso viel Arbeitsaufwand und ist immer mit solchen Streitigkeitenund Zänkereien verbunden, namentlich, wenn neue Landver-messungen vorgenommen werden müssen, dass man oft ausRücksicht auf den Zeitverlust die Umtheilung immer weiter undweiter verschiebt, bis man schliesslich gänzlich darauf verzichtet.Die zusammengesetzte Feldgemeinschaft hat jedoch einen wichtigenVorzug vor einer gleich grossen einfachen Dorfgemeinschaft;die rein wirthschaftliehen Nachtheile der Grösse des Verbandes,also vor allem die grossen Entfernungen der Grundstücke vonden Wohnstätten, fallen nämlich hier nicht so schwer ins Ge-wicht, da man sich dadurch helfen kann, dass jeder Dorfgemein-schaft die in ihrer nächsten Umgebung liegenden Grundstückezugewiesen werden.
Stschepotjew, dessen interessante Aufsätze über die Mark-gemeinschaft in Nord-Russland mit zum Resten gehören, wasüber die zusammengesetzten Gemeinschaften geschrieben wordenist, hebt die Rolle hervor, welche im Processe der Auflösung derzusammengesetzten Feldgemeinschaft mitunter die Differenzirungder bäuerlichen Bevölkerung spielt. Der reiche Bauer kannseinen egoistischen Interessen in der weiteren Markgemeinschaftnicht dieselbe Geltung verschaffen, wie wenn bloss die zu der-selben Dorfgemeinschaft gehörenden und von ihm vielfach ab-hängigen Wirthe ihm gegenüber stehen. Deshalb sucht diese