2. FELDGEMEINSCHAFT UND WIRTHSCHAFTSSYSTEM.
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herrschende Hackcultur es umiöthig macht, ist die Zufahrt zuallen Parzellen ganz frei, da sehr breite Grenzraine zwischenden Gewannen gelassen Averden. Im Gouv. St. Petersburg , woKartoffel- und Haferbau sehr verbreitet sind, nimmt die freieWirthschaft sehr oft die Gestalt des Einfeldersystems an: jahr-aus jahrein wird auf dem Grundstück ohne Unterbrechung die-selbe Frucht gebaut, also Kartoffeln resp. Hafer. Natürlich be-ruht diese WirthschaftsAveise auf starker jährlicher Düngung.
Darüber, wie sich an diesen Orten die feldgemeinschaft-lichen Verhältnisse gestalten, sind Avir nicht im Einzelnen unter-richtet. Es wird von den Beobachtern nur hervorgehoben, dasswegen des Fortbestehens der Mir-Verfassung Umtheilungen, wohlauch Neuverloosungen, vorgenonnnen zu werden pflegen. Esscheint, dass dabei keine besonderen Maassregeln zum Schutzeder Interessen der besseren Wirthe getroffen werden, wohl weildie Unterschiede in der Güte der Bestellung, auf die es ja alleinankommt, nicht sehr gross sind. Was den Flurzwang anbelangt,so ist er aufgehoben, und jeder Wirth hat ganz selbständigzu bestimmen, was für Früchte in jedem Jahre auf seinenGrundstücken gebaut werden sollen.
Aus dem Gouv. St. Petersburg wird ausser von intensivenFruchtwechselsystemen bezw. der freien Wirthschaft noch voneurer anderen interessanten Entwicklung in der bäuerlichenWirthschaft berichtet. 1 ) Unter dem Einflüsse der starken Nach-frage nach den Molkereiproducten, welche die Hauptstadt ent-wickelt, Avird in der Umgebung von St. Petersburg der Schwer-punkt der Wirthschaft vom Kornbau auf die Viehzucht verlegt;A'iele "Wirthe bestellen ihre Parzellen nicht, sondern benützensie als Grasland. Obgleich nun die neue WirthschaftsAveise nochnirgends durchgedrungen zu sein scheint, ist doch kein ZAveifelmöglich, dass Avir hier mit feldgrasAvirthschaftlichen Neubildungenjüngster Ordnung zu tluin haben.
tj 12. Zum Schluss AA'ollen wir noch betrachten, wie sich
*) Vgl. den Bericht des Ausschusses der Landschaft über die Lageder Land wirthschaft aus dem Jahre 1895, S. 10.