Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Das ältere Naturalgeld und die Entstehung deS Münzgcldes.

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Silber mit einem Zeichen versehen, indem das Verlangen entsteht, das Zeichen müssexublieg, Käs« genießen, also von einer öffentlichen Autorität, dem Fürsten oder Gemeinde-beamten herrühren, entsteht in langsamer Umbildung der Formen und Zeichen daseigentliche Geld, die Münze; es ist da vorhanden, wo diese Zeichen bestimmte Metall-stücke ausschließlich oder ganz überwiegend zum Tausch- und Zahlmittel stempeln, ihnendie direkte Verwendung als Schmuckstück und Geräte nehmen. Und wir setzen in unserenheutigen Vorstellungeu und Benennungen anch die alten großen Metallstücke von ein undmehreren Pfunden, obwohl sie einen öffentlichen Stempel haben, als Barren dem Münz-gcld gegenüber, verstehen unter letzterem nur die kleineren, handlicheren, zum Tausch-mittel passenderen Metallstücke. Überall haben diese zuletzt die Form abgeplatteterCylinder angenommen, die mit Zeichen aus beideu Seiten oder aus einer versehen, ambesten der Cirkulation dienen, in Beuteln oder Rollen verwahrt werden konnten, amwenigsten der Abnutzung unterworfen waren.

Die Sage berichtet, Münzen seien zuerst in den griechisch-kleinasiatischen Städtenund Lydien geprägt worden; wir wissen, daß in Ägypten erst mit den griechischenHerrschern das eigentliche Münzen beginnt, während hier, wie sonst in Asien , längstein nicht unerheblicher Marktverkehr und Handel bestand; auch in Mexiko und Peru trafman einen solchen ohne Münze in unserem Sinne. Das ist wohl erklärlich, wenn wirbedenken, daß wahrscheinlich ein sehr langsamer Umbildungsprozeß erst aus einer Reihevon sich gleichstehenden, mit typischen Wertvorstellungen versehenen, durch Maß undGewicht zähl- und meßbar gemachten Gütern nach und nach die Metalle emporhobund von den anderen schied, und daß auch die Umbildung von rohen Metallstückenund Geräten zu festen Gewichtsstücken und zu geprägter, mit öffentlichen Zeichen ver-sehener Münze wahrscheinlich sehr lange Zeiträume erforderte. Haben doch die Germanenseit Cäsars Tagen römische Geldstücke in großer Menge besessen, aber bis ins 7. und8. Jahrhundert im Westen, bis ins 12. und 13. im Osten, ja teilweise noch längerneben dem Metallgeld in solch bevorzngten anderen Gütern gerechnet, ihre Werte gedachtund so gezahlt, ganz davon zu schweigen, daß ein erheblicher, vielleicht der größere Teilihrer wirtschaftlichen Transaktionen in der Form von Naturalabgaben und Diensten sichbis ins 19. Jahrhundert vollzog.

Die Frage also, wann und wo der Geldvcrkehr und die Geldwirtschaft in einemLande oder bei einem Volke begonnen habe, ist nicht mit einer Jahreszahl, nicht einmalmit einem Jahrhundert zu beantworten. Nur das wissen wir zur Zeit ungefähr,wann einzelne Völker fremde Münze erhielten, wann sie begannen, eigene zu schlagen,wann sie die öffentliche Gewalt damit in bestimmter Weise betrauten, die private Her-stellung von Münzen verboten, wann sie die verschiedenen Stadien einer geordnetenMünzvcrwaltung zurücklegten und endlich zu einem gut geordneten Geldwesen gelangten.

Wir können so zugleich verfolgen, wie die ganze innere Ausbildung deswirtschaftlichen Wcrtbewußtseins sowie der höheren Arbeitsteilung und des großen Ver-kehrs diesen Stadien der Geldentwickelung parallel ging. Die Epochen des Geld- undMünzwescns wurden in gewissem Sinne zugleich die Epochen der volkswirtschaftlichenEntwickelung überhaupt. Es ist ein komplizierter Prozeß, wobei die technischen Eigen-schaften der Metalle und die Verkehrsbedürfnisse, die Sitte des Marktes und derKaufmannschaft einerseits, die staatlichen Veranstaltungen andererseits immer wiederzusammenwirken und ineinander greisen, wobei tastende Versuche und Fehlgriffe allerArt, ja Rückschritte nicht sehlen, das egoistische Interesse des einzelnen immer wiederdie staatlichen und Handelseinrichtungen über den Hausen wirst oder korrigiert, unddiese doch immer wieder siegreich in verbesserter Form sich behaupten, weil nur siedauernd der großen uud schwierigen Aufgabe, ein allgemeines Tausch- und Zahlmittelzu liefern, gerecht werden.

Die konventionell-staatliche Ordnung des Geldwesens werden wir gleich näherkennen lernen. Die technisch-natürliche Grundlage derselben aber liegt in den wirt-schaftlichen Eigenschaften der Metalle überhaupt und speciell der edlen. Sie werdenbei allen Völkern der Halb- und Ganzknltur eine der begehrtesten, wenn nicht die

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