Hochansehnliche Versammlung!
Der inneren Colonisation hat, gewiss mit vollem Rechte, dieöffentliche Aufmerksamkeit wiederum mehr sich zugewendet. Ist esdoch ein seltsamer Widerspruch, wenn auf der einen Seite vieleTausende tüchtiger arbeitslustiger Männer die Heimath verlassen undeinem ungewissen Schicksale in der Ferne entgegen ziehn, blos weiles für sie daheim an Gelegenheit gebricht, ihre Arbeitskraft voll zuverwerthen und vor Allem ihren Kindern ein Heim und festen Besitzzu sichern, während auf der andern Seite darüber geklagt wird, dasses an Händen fehlt, um namentlich die ausgedehnten Flächen desGrossgrundbesitzes ausreichend zu nutzen. Dem will eben die innereColonisation wenigstens in etwas abhelfen. Freilich stellen sichdieser Massregel mannichfache Schwierigkeiten entgegen, die aber nichtunüberwindliche sein dürften. Bei solcher Sachlage, kann es vielleichtvon Interesse sein, auf einen Vorgang in Schleswig-Holstein hinzuweisen,welcher hier bereits im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts statt-gefunden. Nicht nur alle Domänengüter, deren Hoffelder etwa 3 1 /»Ouadratmeilen Landes umfassten, wurden in kleine freie Bauerstellenumgewandelt, sondern auch beträchtliche Flächen der in Privatbesitzbefindlichen Grossgüter wurden der gleichen Veränderung unterzogen.Dabei wurden dann die noch weit ausgedehnteren Hufenländereien derGutsuntergehörigen in ein festes Besitzverhältniss gebracht, ihren Bewirth-schaftern persönliche Freiheit und Entlassung aus dem in wirthschaftlicher,wie in sittlicher Beziehung gleich schädlichen Frohndienste gewährt.Das war gewiss eine innere Colonisation in grossem Mass-stabe. Denjenigen, welcher mit der innern Geschichte Dänemarks undSchleswig - Holsteins einigermassen vertraut ist, wird es nicht Wundernehmen, dass zu dieser Reformmassregel gerade hier gegriffen wurde,obwohl das im Ganzen so fruchtbare Land nur eine verhältnissmässigdünne Bevölkerung hatte. Bildete sie doch nur einen Theil des weit-