alle Erkenntnis nur die Welt der Erscheinung betrifft, deren Dasein vomerkennen den Subjekt abhängt. „Das Ding an sich ist nicht das Dingfür mich.“
Die Naturwissenschaft, weit entfernt, die materialistische Weltan-schauung zu stützen, ist ohne erkenntnistheoretische Begründung imSinne Kants allen Einwänden Humes ausgesetzt, zu dessen Widerlegungsich weder bei Marx noch bei Häckel auch nur eine Zeile findet. Ohnediese Begründung mündet sie unrettbar im Skeptizismus: Glaubens-meinungen und wissenschaftliche Überzeugungen sind „Anpassungs-erscheinungen“; was sich „Wahrheit“ nennt, ist eine Waffe im Kampfum das Dasein, vielleicht zum Sieg. Aber auch der Sieger findet seinenStärkeren. Die Wahrheit von heute ist also der Irrtum von morgen. DasWeltbild des Menschen ist verwickelter als das des Sauriers; ist es wahrer?Wie, wenn der Tuberkelbazillus den Menschen auffrisst? Auf einem win-zigen Stäubchen des Weltalls ist in einem flüchtigen Augenblick — einemNichts gegen die ungezählten Millionen von Jahren, die allein schon dasSonnensystem durchkreist hat — in einigen menschlichen Gehirnen einGedanke gefasst worden — ein Gedanke höchst vergänglicher Art. SeinTräger, der Mensch, wird aussterben, spätestens, wenn das StäubchenErde etwas weiter abkühlt. Dieser Gedanke — welchen Inhalts er .mmersei — beansprucht Gültigkeit für die Ewigkeiten und Unermesslichkeitendes Weltalls?
b) Marx ermangelt jedoch nicht nur der Erkenntnistheorie, sondernebenso auch der wissenschaftlichen Ethik. Im Gegensatz zu Proudhon und Rodbertus will er als Naturforscher lediglich kausale Notwendigkeitenfeststellen 35 . Er hütet sich ängstlich vor Moralinvergiftung und spottet derbourgeoisen Idee der ewigen Gerechtigkeit 36 .
Ist in der Tat alles Natur, auch der Mensch nichts als Natur, so ist'alles gleich wertvoll und gleich wertlos. Man kann dann alles Historischerechtfertigen; denn es ist naturnotwendig entstanden. Aber wir wissen— vieles Historische ist wertlos, ja, schlimmer als wertlos. Auch der Dreck