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bis auf diese Zeit der Not — »darynnen dieselben handeier dieheupt ursacher . . . sein« — bezahlt wurde, hat dies keine Vor-teile gebracht, sondern nur eine Steigerung auf die andere folgenlassen: alles ist im Preis gestiegen. »Und hat also die gute/wirdige Müntz/ynn dem gar kleinen vorteil gewirckt«.
Die Übung des besundern vortelhafftigenbetrugs / der unerbarn kauffmans handeier.
Aber diese bösen Kaufleute haben noch weit mehrSchuld: sie waren noch nicht zufrieden mit dem Vorteil beimWarenverkauf, an der Münze, am Umwechseln, sie haben nocheinen Unrechten Gewinn gefunden, so »erstlich das körnen /oder granalirn«. Sie schlagen die Münze ein und erhalten so dasSilber um 12 Schilling billiger, als wenn sie es kauften, »aus Ur-sachen der uberige wirdige wert der guten Müntz«. Bei demÜberfluß der guten Münze sind die ganzen Gulden zu Pfennigengeworden. Die Einwohner müssen sich mit der wertlosen, fremdenMünze begnügen, »und sie haben die gute Müntz ausgesoge«.Kann das nun dem Wohl von Land und Fürst dienlich sein?Jedenfalls richten die fremden reichen Länder, wie Italien, Frank-reich, Burgund und England so ihren Handel ein: »das sie diewahr / aus yhren landen / yn frembde abfüren / und dagegendas reichtumb / das ist gelt / empfahen und suchen«. UnserGewerbe hat das Ziel: »das wir das reichtumb / als das gelt /von uns aufschieben und abfüren. lassen / Und dagegen die wahrannemen«, so daß hundert sehr reich werden, der Fürst und dergemeine Mann aber verderben. — Wir finden also hier dieselbenIdeen in aller Schärfe, die Horni^k in seinem »Österreich überalles« vertritt, hier heißt es »Sachsen über alles«, und darinliegt das typisch merkantilistische Moment. Weiter ist essehr interessant, daß hier der Anonymus in Deutschland denReichtum dem Geld gleichsetzt und damit eine Anschauungvertritt, die man ja als Hauptmeinung der Merkantilisten erkennenwollte, der aber schon die Reformatoren huldigten.
Steigerung der güter.
Wenn man sagt, die Güter im Lande seien im Preisegestiegen, so ist darauf zu antworten: es sei wirklich nicht vielGeld im Land. »Aber jnn dem fall des mangels / schreihet undrufft das armut / mit klagen und not.« Man hätte glauben sollen,daß das Land durch die Bergwerke den Frieden und die gute