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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
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westindische Kompagnie, für die er den Grafen von Hanauzu gewinnen wußte. In Holland sollte er die Vorarbeiten betreiben,die Generalstaaten sollten den Grafen mit einem Stück Guyana belehnen. Jedoch auch dieser Plan scheiterte, zeigt aber, wie welt-wirtschaftlich er dachte 12 ).

Nun geht er abermals nach Wien mit neuen handelspoliti-schen Ideen. In Holland soll er ein Absatzgebiet für österreichi-sche Weine schaffen, überhaupt den Handel beider Länder ver-binden. Zur selben Zeit beginnt er die Verhandlungen über dieErrichtung eines Werkhauses auf dem Tabor in Wien , die 1675zum Abschluß gelangen, dort sollten Majolikageschirr, Hausgerätund Seide verfertigt und in einem chemischen Laboratorium alleSalze und Farben hergestellt werden. Kammerpräsident GrafZinzendorf wurde Inspektor, Becher sein Direktor. DasHaus wurde auf dem Besitztum des Grafen errichtet. Becherplante »ein wirklich großindustriell zu nennendes Unternehmen« 13 ),aber ewige Streitigkeiten mit Zinzendorf, ungenügende Unterstützungvon seiten des Kaisers, Überschreitung des Voranschlags führtenauch hier zum Ruin. Als er in geschäftlichen AngelegenheitenWien den Rücken gekehrt hatte, wußten seine »guten Freunde«,deren er ja stets genug gehabt hatte, ihn zu verdächtigen undseine Rückkehr unmöglich zu machen.

Er wendet sich deshalb noch immer voller neuer Ideen nachHolland, gewinnt Harlem für eine Seidenmaschine, stellt im HaagVersuche an, um Gold aus Sand zu schmelzen, aber selbst hierhatte er keine Ruhe. Von Wien aus verfolgte man ihn auchdort, so floh er nach England , wo er die Nachricht von demSturze seines größten Feindes, des Grafen Zinzendorf, erhielt.Auf einer Seereise schrieb er 1680 die »Närrische Weissheitund weise Narrheit«, in der er alle seine Pläne bespricht. Esist ein Buch voll Bitterkeit, das den Unverstand und den Neidanklagt, und das zeigt, wie er das Beste für das Volk undsein Vaterland mit allen seinen Plänen wollte. Am Ende desLebens glaubte er, vergeblich gelebt zu haben, da seine Ideengescheitert waren, aber er hoffte auf die Zukunft. Manches waskurios erscheint, sei doch recht plausibel, »und was heut diesemoder jenem / auf diese oder jene Art nicht gut gethan / das kannvielleicht auff eine andere Zeit / durch andere Leuth / und auffandere Manier noch gut thun« 14 ). Er schrieb dann noch ein großeschemisches Werk, den »Chymischen Glückshafen«. Nicht un-erwähnt bleiben darf, daß man ihn auch als bedeutenden Che-