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Die alten deutschen Kameralisten : ein Beitrag zur Geschichte der Nationalökonomie und zum Problem des Merkantilismus / von Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
409
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Umfang die beiden anderen Schriften bei weitem übertrifft, ent-hält es doch nur eine umständliche Ausführung der Gedanken,die er schon dort viel knapper und präziser darlegte. Es istwohl das »größere Gewebe«, das er plante, wenn er damit auchdurchaus nichts Besseres bot als mit seinen kleineren Schriften,im Gegenteil: während er in ihnen klar seine volkswirtschaftlichenIdeen auseinandersetzte, geht er hier sehr ins Detail und gibtnicht mehr als eine bloße Aufzählung, deren Ausführlichkeitermüdet und deren fortwährende Wiederholungen nach anderenGesichtspunkten verwirren, ohne uns Neues zu sagen. Er willein Handbuch für den Verwaltungsbeamten schaffen, der eigent-lich nur das vorgezeichnete Schema, das für alle Länder paßte,auszufüllen brauchte. So sehen wir, wie sich hier Secken-dorffsche Ideen mit denen der Österreicher vereinen undhinüberleiten zu den Plänen und Projekten der neuen Kamera-listen. Wir können uns mit einer kurzen Besprechung desBuches begnügen, von dem Zincke schon richtig urteilte: es»bestehet fast in lauter Tabellen . . . Wann es ausgeführet würde,so steckt ein großes Werk darinne« 39 ).

Den ersten Teil bildet der »Entwurff einer wohlein-gerichteten Policey«, den wir eben besprachen.

Der zweite Teil ist der »Entwurff einer wohleinge-richteten Cammer«. »Wo ein Souverain, in seiner Privat-Haußhaltung glücklich seyn soll: muß dessen Cammer nicht

negligiren / die publique Oeconomie: das ist, die Rem Oeco-nomicam der Einsassen und Unterthanen, in einen florissantenStand zu setzen ; weil von ihrer Einrichtung ; die beständigeWohlfarth der ersten nothwendig dependiret«. Um diesen Zweckzu erreichen, muß die Kammer das Vermögen der Untertanenerforschen, erhalten und mehren 40 ). Dafür gibt er nun ge-naueste Anweisungen; sie muß die Anzahl der Einwohner undihre Art kennen. Er teilt sie in zwölf Stände ein: den Adel,die Hof-, Land- und Stadt-Bedienten, die Soldaten, Geistlichkeit,Gelehrte, Kapitalisten und Rentenierer, Negotianten, Handwerker,Landwirte, Ackerleute, Gesinde und Dienstboten, Handarbeiterund Taglöhner, Arme und Bettler 41 ). Um das Vermögen derUntertanen zu erhalten, ist nötig eine Einschränkung des Luxusdie »Beybehaltung des Geldes im Lande«, eine gerechte Veran-lagung und schnelle Hilfe in der Not. Diese Vorschriften malter nun bis ins Kleinste aus, er empfiehlt eine Kleiderordnung, dieVerhinderung der Einfuhr fremder Waren, strenges Vorgehen