Die Senkungder Produktions- und Verteilungskosten alsUrsache von Deutschlands wirtschaftlichemAufstieg vor dem Krieg.
In den mehr als 50 Iahren, seitdem ich selbständig undkritisch wirtschaftlich denke, in den 44 Iahren, seitdem ich zuerstwirtschaftspolitisch mich zu betätigen Gelegenheit hatte, habe ichmich stets aufs neue in der Ueberzeugung bestärkt gefunden, daßes nur einen Weg gibt, die Wirtschaft und die soziale Lagezu heben, dendieProduktions-undVerteilungs-kosten und damit das Preisniveau zu senken,die Kaufkraft zu stärken, das Absatzgebiet zuerweitern; daß alle andern Wege, dieses Ziel zu erreichen,Holzwege sind. Alle Erfahrungen und Beobachtungen meineslangen Lebens haben das bekräftigt. Schutzzölle, monopolistischeoder sonstige Preisverteuerungen können wohl vorübergehendeinzelnen oder einzelnen Wirtschaftszweigen Vorteile bringen,nie aber auf die Dauer der Gesamtheit. In meine letztenStudiensemester fiel Bismarcks Abkehr von der Freihandels-politik, der Sieg der Schutzzollpolitik. Vergebens wartete manauf den davon prophezeiten wirtschaftlichen Ausstieg; er bliebaus. Der mengenmäßige Ausschwung der deutschen Eisen-industrie war nicht den Cisenzöllen, sondern der Cntphosphorungdes Roheisens in der Bessemerbirne zu danken. Erst, nachdemes den Fortschritten der deutschen Technik und des deutschenArbeiters gelungen war, den Vorsprung der älteren Industrie-staaten — vor allem Englands — einzuholen, brachte
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