Produktionskostenverteuerungdnrch Soziallasten.
Vei unfern gefährlichsten Konkurrenten: Frankreich, Belgien ,Niederlande und Amerika , kommt noch hinzu, daß es dortkeine Arbeitgebersozialbeiträge gibt, was im Verein mit denniedrigen Löhnen der beiden erstgenannten Länder derenProduktionskosten im Verhältnis zu den deutschen außerordent-lich herabdrückt. Dürften diese doch bei uns 2 bis 2V2 MilliardenReichsmark erreichen.
Stark zugenommen hat die Sucht, sichkrankzumelden,zu feiern und Krankengeld zu beziehen. Sinddoch darüber die Krankenkassenbeiträge von 582Millionen in 19 13 auf 2^ Milliarden RM.in 1928 gestiegen. Insbesondere die Bestimmung, daßKrankengeld nicht nur für die Arbeitstage, sondern auch für dieSonn- und Feiertage gezahlt wird, und die Erhöhung des seinerBerechnung zugrunde liegenden Grundlohns von 6 auf 10 RM.je Tag, worin mehr wie eine Verdoppelung des Krankengeldesliegt, haben zu einer unverantwortlichen Ausdehnung derKrankentage geführt. Am Donnerstag oder Freitagerst recht vor mehrtägigen Festen (Weihnachten, Ostern)läßt sich kaum ein Arbeitnehmer noch arbeitsfähigschreiben. Man spricht geradezu von Feiertagskrankheiten.Charakteristisch für diese Rentensucht ist die Entwicklung derKrankenziffern bei der Ortskrankenkasse Verlin. Dort kamen auf100 Mitglieder an Krankentagen 1914: 39,3; 1921: 50,5;1923, wo sich infolge der Inflation das Krankengeld niedrigstellte, nur 39,9; 1925 schnellte die Zahl auf 59,8 empor, um in1927 auf 66,68 zu steigen! Dabei hat der Gesundheitszustandeine wesentliche Verbesserung erfahren; an sich müßte also dieKrankheitsziffer wesentlich herabgegangen sein. Einwandfrei istfestgestellt worden, daß die Krankheitsdauer bei Patienten, dieKrankengeld erhalten, wesentlich länger dauert, als bei denen,die keins beziehen.