also sehr wohl berechtigt sei, hohe Reparationsforderungen anuns zu stellen. Cs ist ihnen nicht klarzumachen, daß der Unter-schied einesteils durch die größere Ordnungsliebe und Sauber-keit der Deutschen bedingt, andererseits aber der deutsche Wohlstand ein geborgter sei. Daß wir von der Substanz leben,während die Reparationsempfängerstaaten jahraus jahrein ihrVermögen um Milliardn vermehrten. Wäre das richtig — haltenuns Franzosen, Belgier und Italiener entgegen —, wie könnt ihres dann verantworten, eure Beamten, Arbeiter und Kriegs-invaliden um 4V—50 v. H. höher zu bezahlen, als wir es ver-mögen? Dem Hinweis auf unsere höheren Preise begegnen siemit dem nicht ungerechtfertigten Einwand, daß diese doch nur dieFolge unserer höheren Löhne und Sozialauswendungen seien.Unsere Sachverständigen in Paris können ein trauriges Lieddavon singen, wie ihnen diese Argumente ihre Stellung er-schwert haben.
Raubbau an der deutschen Wirtschaft.
Kein gerecht Denkender und sozial Empfindender wird esden deutschen Arbeitnehmern verdenken, wenn sie ihre sozialeLage verbessern, den Arbeitnehmeranteil amSozialprodukt heben wollen. Aber dieses Strebenfindet seine Grenze an den wirtschaftlichenMöglichkeiten. Cs darf nicht die für die notwendige Fort-bildung des Produktionsapparats erforderliche Kapitalbildungverhindern. Zum erstmaligen Wiederaufbau nach dem Zu-sammenbruch von verlorenem Krieg und Inflation waren großeAuslandskredite unentbehrlich. DiedeutscheWirtschaftaber dauernd auf solche basieren, heißt sieü verschulden, heißt ein Stück deutschen Volks-vermögens nach dem andern in die auslän-dische Hand zu überführen;heißt das deutscheVolk zum Lohnsklaven ausländischen Kapi-tals zu machen. Solchen „Raubbau an derdeutschen Wirtschaft" treibt aber die heutige