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Meine Londoner Mission 1912-1914 / von Lichnowsky. Mit einem Vorw. von Otfried Nippold
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auch die britisch-deutschen möglichst beseitigen und durch ein Netzvon Verträgen, zu denen schliesslich wohl auch eine Vereinbarung überdie leidige Flottenfrage gehört hätte, den Weltfrieden sichern, nach-dem unsere frühere Politik zu einer Genossenschaft, der Entente,geführt hatte, die eine gegenseitige Versicherung gegen Kriegsgefahrdarstellte.

Das war das Programm Sir Ed. Greys. In seinen eigenen Worten:unbeschadet der bestehenden Freundschaften (zu Frankreich undRussland ), die keinerlei agressive Zwecke verfolgen und keinerleibindende Verpflichtungen für England in sich schliessen, mit Deutsch-land zu einer freundschaftlichen Annäherung und Verständigung zugelangen.To bring the two growps nearer (die beiden Gruppeneinander näher bringen).

Es gab damals in England wie bei uns in dieser Hinsicht zweiRichtungen: die der Optimisten, die an die Verständigung glaubten,und die der Pessimisten, die den Krieg früher oder später für unver-meidlich hielten.

Zur erstem gehörten die Herren Asquith, Grey, Lord Haldaneund die meisten Minister des radikalen Kabinetts, sowie die führendenliberalen Organe, wieWestminster Gazette,Manchester Guardian ,Daily Chronicle. Zu den Pessimisten namentlich konservativePolitiker, wie Mr. Balfour, der mir dies wiederholt zu verstehen gab,dann führende Militärs, wie Lord Roberts, die auf die Notwendigkeitder allgemeinen Wehrpflicht hinwiesen. {The Writing on the Wall.)Ferner die Northcliffepresse und der bedeutende englische JournalistMr. Garvin (Observer). Während meiner Amtszeit haben sie sichjedoch aller Angriffe enthalten und persönlich wie politisch eine freund-liche Haltung eingenommen. Unsere Flottenpolitik und unsere Hal-tung in den Jahren 1905 , 1908 und 1911 hatten bei ihnen aber denGlauben erweckt, dass es doch einmal zum Kriege kommen werde.Erstere werden heute in England gerade so, wie es auch bei uns ge-schieht, der Kurzsichtigkeit und Einfalt geziehen, letztere gelten alsdie wahren Propheten.

Albanische Frage.

Der erste Balkankrieg hatte damals zum Zusammenbruch derTürkei und damit zu einer Niederlage unserer Politik geführt, die

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