Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

5

die richtigen Gesichtspunkte, die bei einer Notenbank im Augezu behalten sind."

Von diesem Manne wurde Bamberger zuerst der Vorschlaggemacht, er solle in die geschäftliche Laufbahn übertreten.Bamberger entschloss sich nach reiflichen Erwägungen, auf denVorschlag einzugehen.

Ausschlaggebend war für diesen bedeutungsvollen Schritt,dass er den kürzesten und sichersten Weg aus der nahezu un-erträglichen Lage, in welcher sich Bamberger damals befand,zu eröffnen schien. Aber leicht wurde ihm der Entschluss nicht.Er selbst schreibt darüber:

Es ward mir damals furchtbar schwer. Aber Pflichtgefühlmehr noch als Hoffnung half mir über die ersten peinvollenJahre nach jenem Entschluss hinaus. Ich ahnte damals nicht,dass, was ich als einen Verlust im Bildungsgang ansah, sich fürmein reiferes Urteil als ein Gewinn herausstellen sollte.

Als ich den kaufmännischen Beruf antrat, glaubte ich vonmeiner akademischen Höhe herabzusteigen. Es ist die ab-schliessende Überzeugung meiner seither gesammelten Er-fahrungen, wenn ich sage, dass ich über Welt und Menschen indieser Laufbahn mehr gelernt habe, als wenn ich mein ursprüng-liches Ideal hätte verwirklichen können. Ob dies nur möglichwar, weil ich bis dahin für den gelehrten Beruf mich vorgebildethatte, mag dahinstehen."

So nötigte der harte Druck äusserer Verhältnisse den damalsSechsundzwanzigjährigen, als Aniänger ein Gebiet zu betreten,gegen welches er eine starke Abneigung fühlte, auf welchemer jedoch später seine grössten wirtschaftspolitischen Leistungenvollbringen sollte.

Da er sich gerade in London aufhielt, ergab es sichvon selbst, dass er in das Londoner Haus eintrat, dessen FirmadamalsBischoffsheim , Goldschmidt & Avigdor" hiess. DerLeiter des Hauses war Goldschmidt, ein Schwager der Bischoffs-heim ; er warDoctor utriusque iuris" und Bamberger schildertihn als einen gründlich humanistisch gebildeten Mann mitlebendigem Sinn für Politik und Wissenschaft, der viel Ver-ständnis für die ungewöhnliche Lage des neuen Banklehrlingszeigte und ihm die Anpassung an die peinliche Stellung sehrerleichterte.