kunft war noch nichts bestimmt. Aber die Verhältnisse drängtennach einer raschen Entscheidung.
„Mein Leben wäre," so teilt Bamberger in seinen Erinne-rungen mit, „ohne Zweifel ein gänzlich anderes geworden, wennich damals, als die politischen Ereignisse mich aus Deutschland hinausschleuderten, für mich allein dagestanden hätte. Aberdem war nicht so. Von der Universität her hatte ein Verhält-nis sich geknüpft, und dies hatte sich in den fünf Jahren, dieseitdem verflossen waren, so befestigt, dass die Bedingungenmeiner Existenz sich durchaus danach zu richten hatten."
Die Rücksicht auf seine Braut, die unter den unerquicklichstenFamilienverhältnissen zu leiden hatte, nötigte den aus seinerLaufbahn hinausgeworfenen Flüchtling, einen Weg einzuschlagen,von dem er annehmen konnte, dass er möglichst rasch und sicherzur materiellen Selbständigkeit führen würde. Mit dem Plane,in Gemeinschaft mit zwei anderen deutschen Flüchtlingen inNordamerika eine internationale Advokatur zu errichten, warBamberger nach London gekommen, und in den ersten Monatenseines dortigen Aufenthalts versuchte er, sich in Hinblick aufdiesen Plan mit der englischen Jurisprudenz näher bekannt zumachen. Aber noch ehe der Gedanke der internationalen Ad-vokatur feste Gestalt gewonnen hatte, trat an Bamberger derVorschlag heran, in das Bankgeschäft überzutreten.
Zwei Brüder seiner Mutter, mit Namen Bischoffsheim , standendamals an der Spitze eines ausgedehnten Bankgeschäfts mitdem Hauptsitz in Amsterdam und Zweigniederlassungen inBrüssel, Antwerpen, Paris und London . Beide Brüder warenhochbedeutende Finanzmänner. Der Jüngere, welcher dasBrüsseler Geschäft leitete, hatte ein grosses Interesse für dieöffentlichen Angelegenheiten und nahm im Staat und in derBrüsseler Gesellschaft eine sehr bedeutende Stellung ein. Bam-berger selbst charakterisiert ihn als seiner ganzen Geistesrichtungnach ihm besonders nahestehend. Er hebt namentlich hervor,dass der jüngere Bischoffsheim seiner Zeit, als es sich um dieGründung einer belgischen Landesbank handelte, die Grund-lagen ausarbeitete und dann zeitlebens als Hauptberater der Bank-leitung zur Seite stand. „Eine Denkschrift, die er damals fertigstellte, bot mir noch viele Jahre später reiche Belehrung über