Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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während es die grosse Mehrheit der volkswirtschaftlichen Theore-tiker damals schon auf Grund der geschichtlichen Erfahrungenverurteilten und nicht an die Möglichkeit glaubten, dass sich eindauernd festes Wertverhältnis zwischen Gold und Silber her-stellen lasse.

Die Währungsfrage kam jedoch in den Ländern des latei-nischen Münzvertrags durch die Entscheidung von 1865 keines-wegs zur Ruhe.

Die französischen Staatsmänner, allen voran der Vizepräsidentdes Staatsrats de Parieu , verfolgten damals das grosse Zieleines Weltmünzbundes auf Grundlage des französischen Münz-systems. Der lateinische Münzbund war nur als erster Schrittauf dieser Bahn gedacht, und die französische Regierung teilteden Vertrag sofort nach seinem Abschluss offiziell den europä-ischen Regierungen mit und forderte sie zum Beitritt auf. Diemeisten Staaten jedoch trugen Bedenken, und das wichtigstedieser Bedenken war der Zweifel an der Richtigkeit des bime-tallistischen Systems, auf welchem die lateinische Münzunionberuhte. So führten die von Frankreich eingeleiteten Verhand-lungen über einen Weltmünzbund zu einem grossen internatio-nalen Gedankenaustausch über die Währungsfrage.

Im Jahre 1867, zur Zeit der Pariser Weltausstellung , beriefdie französische Regierung eine internationale Münzkonferenznach Paris , welche über die Grundlagen einer Weltmünzeinheitberaten sollte. Neunzehn europäische Länder und die VereinigtenStaaten von Amerika waren vertreten. Die Verhandlungen derKonferenz gestatteten die wichtigsten Einblicke in die Stellungder einzelnen Regierung zur Münzfrage.

Obwohl die Begeisterung für die Idee einer Weltmünzein-heit gross war, zeigte sich doch, dass praktisch wenig Aussichtenauf die Verwirklichung dieses Gedankens vorhanden waren. Vorallem zeigte sich England sehr zurückhaltend, ebenso Holland und Preussen, obwohl die französische Regierung viel Wasser inihren Wein goss und sich darauf beschränkte, statt eines ein-heitlichen Münzsystems die Annahme des goldnen Fünffranken-stückes als Grundlage für künftige Münzreformen vorzuschlagen.

Dagegen herrschte in Bezug auf die Währungsfrage fastvöllige Einstimmigkeit. Die Frage, auf welcher Währungs-