Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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grundlage die Weltmünzeinheit aufgebaut werden solle, wurdemit allen Stimmen gegen diejenige der Niederlande dahin ent-schieden, dass die Weltmünzeinheit weder auf Grundlage derSilberwährung noch der Doppelwährung, sondern nur aufGrundlage der reinen Goldwährung denkbar sei.

Dieser Beschluss zeigt, dass die auf der Konferenz ver-tretenen Nationen in der Goldwährung das Münzsystem derZukunft erblickten, dass die bereits im Besitz der Goldwährungund einer Goldzirkulation befindlichen Staaten nicht daran dachten,diese preiszugeben, und dass die Staaten mit andern Währungs-systemen die Goldwährung als das zu erstrebende Ziel ansahen.Diese Thatsache konnte ihre Bedeutung für die MünzreformDeutschlands auch dann nicht verlieren, als sich der Plan einesWeltmünzbundes als eine völlige Utopie herausstellte. Denndie Währungsgleichheit mit den wichtigsten Kulturnationen istnicht ausschliesslich Mittel zum Zweck einer Münzgleichheit,sondern sie bedeutet die Erfüllung der wichtigsten durch dieMünzgleichheit angestrebten Ziele.

Unter dem Eindruck der Ergebnisse der internationalenMünzkonferenz von 1867 machte in Frankreich die Bewegungzu gunsten der Goldwährung grosse Fortschritte. Noch imFrühjahr 1867, unmittelbar vor der Pariser internationalenMünzkonferenz, hatte sich eine von der französischen Regierungberufene Kommission mit 5 gegen 3 Stimmen für die Bei-behaltung der Doppelwährung entschieden. Nach der inter-nationalen Konferenz betrieb jedoch Parieu mit erneutem Eiferden Übergang zur Goldwährung. Im Jahre 1868 wurde eineneue Münzkommission eingesetzt, welche eine grosse Enqueteveranstaltete. Insbesondere wurden die Handelskammern unddie General-Steuereinnehmer befragt. Von 66 Handelskammernsprachen sich 45, von 91 Steuereinnehmern 69 für die Gold-währung aus, während die Bank von Frankreich in einem aus-führlichen Gutachten auf ihrem bimetallistischen Standpunkt be-harrte. Die Enquetekommission selbst empfahl schliesslich mit17 von 23 Stimmen, auch die Fünffrankenthaler zu .Scheide-münzen mit Zahlungskraft bis zu IOO Fr. zu degradieren undihre Ausprägung zu beschränken oder ganz einzustellen.

Der doppelwährungsfreundliche Finanzminister M a g n e setztejedoch die Berufung einer neuen Münzkommission durch. Auf