Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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seinen Antrag wurde die Währungsfrage im November 1869dem Conseil superieur du Commerce, de l'Agriculture et del'Industrie unterbreitet. Dieser oberste Rat veranstaltete gleich-falls eine umfassende Enquete. Die Verhandlungen kamen erstim Juli 1870 zum Abschluss, als der Krieg mit Deutschland bereits begonnen hatte. Die grosse Mehrheit stimmte für dieEinführung der Goldwährung. Die Appellation des Finanz-ministers war also glänzend verworfen; er selbst war inzwischenaus seinem Amte ausgeschieden.

Zu einem praktischen Ergebnis konnte das Votum desConseil superieur nicht mehr führen, weil der Ausbruch desKrieges jeden Schritt unmöglich machte. Die französischen Kommissionen und Enqueten haben jedoch einen grossen ge-schichtlichen Wert, denn sie zeigen, dass Frankreich , das einzigegrosse Land, welches noch um 1865 an der Doppelwährungfesthielt, unmittelbar vor dem Krieg auf dem Punkt ange-kommen war, seine bimetallistische Geldverfassung durch Ein-stellung der freien Silberprägung in eine Goldwährung zu ver-wandeln.

Wenn wir die gesammten monetären Vorgänge von 1850bis 1870 ins Auge fassen, so finden wir, dass die starke Zu-nahme der Goldproduktion in Verbindung mit dem vermehrtenSilberbedarf für Indien folgende Wirkungen erzeugte: Der Ge-brauch von Goldgeld erfuhr in den Ländern der europäischenKultur eine beträchtliche Zunahme. Das bimetallistische SystemFrankreichs erwies sich als untauglich, das Silber in den fürden Kleinverkehr nötigen Mengen im Verkehr zu erhalten.Uberall zeigten sich, trotz der anfänglichen Furcht der Theore-tiker vor dem neuen Gold, in wachsender Stärke Bestrebungen,den überwiegenden Goldumlauf, wo er von selbst Boden ge-fasst hatte, durch die gesetzliche Einführung der Goldwährungdauernd festzuhalten, und ihn dort, wo er sich infolge der be-stehenden Währungsverhältnisse nicht einbürgern konnte, durchEinführung der Goldwährung zu ermöglichen.

Mit diesen Erfahrungen und Thatsachen musste Deutsch-land rechnen. Wenn schon in Rücksicht auf den inneren Geld-verkehr die Schaffung eines ausreichenden Goldumlaufs dringendgeboten erschien, so wurde durch die Gestaltung der inter-