Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
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heutiges Tags zur Diskussion steht. Der berühmte französischeNationalökonom Michel Chevalier hatte damals die Welt mit derFurcht vor der Überschwemmung mit Gold alarmiert, undeinzelne Regierungen haben sich von seiner Ansicht beein-flussen lassen.

Ich war wegen meiner angegriffenen Gesundheit für einigeWochen nach Spa gegangen und benutzte meine Freiheit, umunter dem Titel ,Die Gold und Silberfrage' den Gegenstandzu behandeln. Den Schwerpunkt der Arbeit verlegte ich in dieZurückweisung der Chevalierschen Ansicht, indem ich zeigte,dass der vermehrten Goldproduktion eine weit grössere, insUnendliche ausdehnbare Verwendung zu Münzzwecken gegen-überstehe. Am Schluss der Abhandlung eröffnete ich die Per-spektive auf eine Zeit, in welcher die Welt zur ausschliesslichenGoldwährung übergehen werde.

Es sind in jenem ersten Versuch hie und da auch Stellenzu finden, die ich heute nach sechsunddreissigjähriger Beschäfti-gung mit der Frage nicht mehr unterschreiben dürfte. Aberim ganzen hat sich vollständig bewahrheitet, was mir damalsdas Richtige schien."

Jener Aufsatz ist ein Dokument dafür, wie richtig Bamberger von Anfang an die Tragweite erkannte, welche die damaligegrosse Verschiebung in der Edelmetallproduktion für die Wäh-rungsverfassung der Kulturwelt hatte. Daraus ergab sich nunmit Notwendigkeit die Erkenntnis, dass Deutschland Massregelnzur Herstellung eines Goldumlaufs ergreifen müsse.

Was die gesetzliche Form für die Schaffung und Erhaltung einesausreichenden Goldumlaufs in Deutschland anlangt, so hatte Bam-berger durch die Beobachtung der französischen Verhältnisse ge-lernt, dass die Doppelwährung die Erreichung dieses Zieles nichtgewährleiste. Bis zum Beginn der fünfziger Jahre hatte Frankreich trotz der gesetzlichen Doppelwährung einen fast ausschliesslichenSilberumlauf. Der verhältnismässig geringe Rückgang des Gold-wertes unter die gesetzliche Wertrelation genügte, um das Silberso sehr aus dem Verkehr zu treiben, dass zur Erhaltung desunentbehrlichen Quantums von Silbergeld wesentliche Beschrän-kungen des bimetallistischen Systems notwendig wurden. Derüberwiegende Goldumlauf, welcher für den Augenblick den An-