Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
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Sprüchen des gesteigerten und verfeinerten Verkehrs genügte, warkeineswegs gesichert: ein geringes Steigen des Goldwertes überdie gesetzliche Relation musste ebenso zu einem Abfluss vonGold und zum Einströmen von Silber führen, wie die kalifor-nischen Goldfunde das Gold an Stelle des Silbers gesetzt hatten.Die reine Goldwährung ergab sich mithin aus den französischen Erfahrungen als das einzige System, welches einen überwiegen-den Goldumlauf bei einem für die Bedürfnisse des kleinen Ver-kehrs genügenden Silberumlauf zu sichern vermochte.

Wenn so die Beobachtung der monetären Vorgänge inFrankreich geeignet war, Klarheit über die wichtigsten Zieleder deutschen Geldreform zu schaffen, so waren die Pariser Er-fahrungen für Bamberger nicht minder nützlich hinsichtlich derMittel und Wege, auf welchen eine solche Reform am sicherstendurchzuführen war. Die praktische Thätigkeit im Edelmetall-handel und im gesamten internationalen Zahlungsverkehr musstenihn in besonderem Masse befähigen, an der Durchführung dergeplanten Reform mitzuarbeiten. Vor allem mussten ihn dieseErfahrungen vor gewissen theoretischen Einseitigkeiten bewahren,wie sie sich damals besonders auf dem Gebiet des Papiergeld-wesens und der Notenbanken bemerkbar machten. Bambergerwar einer der ersten, welche die volkswirtschaftlich wichtigstenFunktionen der Notenbanken vollauf erkannten, die deshalbweder der Forderung radikaler Theoretiker auf gänzliche Be-seitigung metallisch nicht gedeckter Papiergeldzeichen noch auchder nicht weniger radikalen Forderung der Notenfreiheit beitretenkonnten. Die Misswirtschaft einer Anzahl kleinerer Notenbankenhatte damals schon die Forderung der Notenfreiheit unpopulärgemacht und eine Missstimmung gegen die Banknoten überhaupterzeugt, welche am radikalsten bei den Gegnern aller metallischnicht gedeckten papiernen Geldzeichen zum Ausdruck kam, ingemilderter Form bei den Anhängern einer Beschränkung derNotenausgabe nach Art der englischen Bankakte. Bambergerwollte im Gegensatz zu dieser damals übermächtigen Richtungeine in ihrer Bewegungsfreiheit möglichst wenig gehinderteZentralbank, der die Aufgabe der planmässigen Überwachungund Regulierung sowohl des inneren Geldverkehrs als auch dieSicherung der Währung nach aussen obliegen sollte; in einerdeutschen Reichsbank sah er von vornherein das wich-