— 125 —
nicht beabsichtigt und keinen Anlass erkennt, durch Eingehenvertragsmässiger Verbindlichkeiten sich in der freien Selbst-bestimmung über seine Münzangelegenheiten Beschränkung auf-zuerlegen."
Auf der Konferenz erklärten die deutschen Vertreter eineWiederherstellung des Silberwertes für wünschenswert; aberDeutschland könne bei den zu diesem Zweck zu ergreifendenMassregeln höchstens soweit mitwirken, als es sich verpflichte,für eine bestimmte Reihe von Jahren kein Silber mehr zu ver-kaufen und durch Einziehung der Reichskassenscheine zufünf Mark und der goldnen Fünfmarkstücke dem Silber einengrösseren Raum im deutschen Umlauf zu verschaffen; danebenliesse sich eine Umprägung der silbernen Fünf- und Zweimark-stücke auf Grund der Relation von i . 15 % zwischen Silberund Gold in Erwägung ziehen.
In derselben Richtung bewegten sich die „Vorschläge zurpraktischen Lösung der Währungsfrage", welche der Reichs-bankpräsident v. Dechend etwa ein Jahr später in der Nordd.Allg. Ztg. anonym veröffentlichte, als deren Verfasser er jedochalsbald erkannt wurde. Nur gingen diese Vorschläge darin er-heblich weiter, dass sie nicht nur die Goldstücke und Papier-scheine zu 5 Mark, sondern auch die goldnen Zehnmarkstückebeseitigen wollten. Der mittlere und kleinere Verkehr sollteauf das Silber angewiesen, und das Gold sollte für den grossenVerkehr und die internationalen Zahlungen reserviert werden.Er kam auf dieses Auskunftsmittel, weil er durch die sich immerschwieriger gestaltende Lage des seiner Leitung anvertrautenInstituts die Bedenken des durch die Einstellung der Silber-verkäufe herbeigeführten deutschen Währungszustandes allmäh-lich kennen gelernt hatte, weil er in Rücksicht auf die ver-meintliche Goldnot und die angebliche Unverkäuflichkeit desdeutschen Silbers die volle Durchführung der Goldwährung nichtbefürworten wollte, und weil er den Bimetallismus — wie erselbst sagte — „nicht blos aus prinzipiellen sondern auch auspraktischen Gründen" für undurchführbar hielt. Als einzigerAusweg erschien ihm deshalb eine Reihe von Massregeln, durchwelche, unter Aufrechterhaltung der Grundzüge des bestehendenZustandes, der Verkehr zu einer stärkeren Benutzung von Silber-