Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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einen Antrag ein, die Regierung aufzufordern, die Initiativezur Einberufung einer internationalen Währungskonferenz zuergreifen.

Am 25. Januar 1885 schrieb Bamberger an Soetbeer:Ichhalte es nicht für ausgeschlossen, dass Bismarck , ohne sich nunzu entscheiden, sich einstweilen ein agrarisches Votum vomReichstag geben liesse, um es eventuell zu verwerten." Am15. Februar schrieb er:Über die Aussichten der Resolutionvermag ich mit Wahrscheinlichkeit noch nichts zu sagen. DieRegierung hält sich dunkel, und viel Gutes erwarte ich mirnicht von Bismarcks gegenwärtiger Stellung zu den Agrariern.In meiner letzten Rede habe ich absichtlich die betreffendenÄusserungen des Abgeordneten v. Schalcha, die Sie wohl gelesenhaben, erwähnt, weil Bismarck zugegen war, und ich auf seinemGesicht zu lesen wünschte, wie er über die Sache denke. Ichhabe ihn scharf fixiert, als ich meinen Protest gegen die agra-rischen Versuche, unsre Währung zu verändern, formulierte.Allein er bestrebte sich sichtbar, durch keinen Mienenzug seineGedanken zu verraten, und ich konnte weder Billigung nochMissbilligung darin lesen.". In einem Brief vom 18. Februar 1885heisst es:Ich bin auf eine möglichst schlechte Wendungder Dinge gefasst, wenn auch vom Eingehen auf den Kardorff-schen Antrag bis zum Abschluss eines bimetallistischen Welt-vertrags noch ein weiter Weg ist, während dessen eine Wen-dung zum Besseren eintreten kann."

Während Bamberger, unterstützt von Soetbeer, das Materialfür eine Entkräftung der gegnerischen Argumente, namentlichhinsichtlich der Goldverteuerung und der Begünstigung desWeizenimports durch die Valutadiffcrenzen, sammelte und ver-arbeitete, that er gleichzeitig alles, um die angesehensten Ver-tretungen der Industrie und des Handels zu Kundgebungengegen den Kardorffschen Antrag und gegen jede Beeinträchtigungder deutschen Goldwährung zu veranlassen. Seiner Initiative istes zuzuschreiben, dass die Hamburger Handelskammer, dieBerliner Aeltesten der Kaufmannschaft und die FrankfurterHandelskammer damals entschieden für die Erhaltung der Gold-währung eintraten und dadurch eine Reihe ähnlicher Körper-schaften zu derartigen Kundgebungen bestimmten.Wenn allebäuerlichen Vereine zusammengetrommelt werden, um für Silber