Aufsatz 
Ludwig Bamberger als Währungspolitiker / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
142
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Vertragsweg durchgeführt werden könne: viel entscheidenderbleibe, dass die Ergebnisse der Beratungen und Beschlüsse derletzten Konferenzen der Münzbundstaaten eine förmliche Absagean das System der Doppelwährung selbst bedeuteten.

Für den praktisch-politischen Zweck, welchen Bamberger im Auge hatte und der die Veranlassung zu dieser Arbeit ge-wesen war, hätte es genügt, die aus dem Vertrag entstandenenSchwierigkeiten zu kennzeichnen und die in der von den Münz-bundstaaten schliesslich akzeptierten Lösung enthaltene Aner-kennung des Goldes als des alleinigen Währungsgeldes gebührendhervorzuheben. Bamberger beschränkte sich jedoch nicht darauf,sondern er behandelte von Grund aus mit durchdringendemVerstand und in echt wissenschaftlichem Geist das komplizierteProblem der Liquidation des früher vollwertigen, später unter-wertig gewordenen Kurantsilbers. Er kam dabei zu dem be-merkenswerten Ergebnis, dass die Prägung bei einem Münz-bund nicht ausschlaggebend für die Einlösungsverpflichtung seinkönne. Gegenüber Soetbeer, welcher sich mit diesem neuenGedanken nicht befreunden konnte, fasste er das Resultat seinerStudien prägnant in folgenden Sätzen zusammen:

Ganz richtig nehmen Sie an, dass ich Belgien nicht dieMächt zugestehe, die Füflffrankenstücke ohne Einlösungspflichtzum bisherigen Goldäquivalent ausser Kurs zu setzen, und aucheine Degradierung der Zahlungsfähigkeit bis zu 100 Fr. halteich für einen Rechtsbruch gegen den eignen Staat. Nur dieVerpflichtung aus der Konvention, die im Ausland befindlichenStücke am Domizil des Auslandes in Gold einzulösen, erkläreich für falsch. Mit andern Worten, esbesteht eine nationale,aber keine internationale Verpflichtung. Der Billig-keit nach müsste aber die Einlösungspflicht von den Unions-staaten nicht nach der Prägung, sondern pro rata irgend einesrationellen Verhältnisses getragen werden."

Noch ehe Bamberger diese gründliche und scharfsinnigeArbeit beendigt und veröffentlicht hatte, begann die bimetallistischeAgitation in Deutschland förmlich ihren Siedepunkt zu erreichen.Die Art und Weise, wie die Landwirtschaft unter der Führungdes Grafen Mirbach und des Dr. Arendt gegen die Goldwährungund ihre Verteidiger aufgehetzt wurde, übertraf alles bisher da-gewesene. Persönliche Verunglimpfungen und Verdächtigungen