Druckschrift 
Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 

170

angeboten, viel billiger sein wird, als gegen Papiergeld. Alleinbei zwei verschiedenen Metallgeldern verläuft die Sache ganzanders, wenigstens nach der bisherigen Erfahrung und bei Aus-schluss der Voraussetzung einer ganz unerhörten Entwertungdes einen von beiden Metallen (eine Voraussetzung, die nichthierher, sondern in den zweiten Teil dieser Betrachtung gehört).

Nehmen wir an: es tritt eine Erhöhung des Goldwertesgegen Silber in einem gegebenen Lande und einem ge-gebenen Augenblick ein. Wie äussert sie sich? Durch eineAusfuhr des Goldes in die Fremde, denn innerhalb derLandesgrenzen existiert ja die legale Gleichheit. DieseAusfuhr geht in der Weise vor sich, dass die Wechslerdie Goldmünzen im Lande mit einer kleinen Prämie zusammen-kaufen und dass der Handel diese Goldmünzen in grösserenQuantitäten gesammelt ins Ausland schickt. Von diesemAugenblick an hört das Gold auf Geld zu sein. Es wird Ware.Es wird mit wechselnden Preisen in Silbermünzen bezahlt, undwer dessen hat, der bedient sich seiner nicht um Brot oderTuch zu kaufen, sondern der giebt es zunächst gegen Silbernebst einer Prämie (Agio) hin, um dann erst für das SilberWaren einzukaufen. So lange das Gold vom Ausland nurmässig verlangt, daher die Prämie nur gering ist, beschränktsich dieser Vorgang auf die grossen Handelsstädte, welche derAusfuhrgrenze zunächst liegen; weil einerseits in den kleinerenPlätzen die Wechslerindustrie nicht auf solche Feinheiten ein-studiert ist, andererseits die Transportkosten von den abliegen-den Handelscentren sich mit dem Agio, welches vom Auslandgezahlt werden kann, kompensieren. Erst mit dem steigendenoder mit dem lange andauernden Agio erstreckt sich die Wir-kung auf das ganze Land. Wo sie hindringt, führt sie dasoben beschriebene Phänomen mit sich, dass Gold zur Ware,Silber zum einzigen Cirkulationsmittel wird; wo sie nichthineindringt, bleiben selbstredend beide Metallsorten auf demlegalen Indififerenzpunkt. Nirgends aber werden thatsächlichzwei verschiedene Geldarten mit zwei verschiedenen Preiskate-gorien bestehen. Die Preise der Dinge werden sich, wo dasGold-Agio gilt, nach der Silbermünze regulieren. Und daherkann man behaupten, dass der doppelte Münzfuss praktischeigentlich trotz aller Legalität nirgends existiert. Nun wird