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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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man freilich sagen, dass eben weil im gegebenen Fall die Sach-preise sich nach der im Wert gefallenen (um bei unserm Bei-spiel zu bleiben) Silbermünze richten, eben deshalb der inSilber bezahlte Gläubiger seine Bedürfnisse wird teurer be-zahlen müssen als bisher. Das ist ganz wahr. Allein dieserGefahr wäre er auch nicht entgangen, wenn er in einem Landelebte, welches nur den Silberfuss kennt. Wenn das Silber aufdem Weltmarkt fällt, so steigen die Preise und vermindert sichder Geldwert auch in demjenigen Lande, welches gar keineGoldcirkulation hat. Die Wahrheit ist nur, dass bei einemdoppelten Münzfusse die Wirkungen sich leichter, schneller unddarum häufiger zeigen, einmal weil die Gefahr verdoppelt ist,und zum andern, weil das goldbegehrende Nebenland ihm nichterst Waren zum Austausch zu schicken braucht, sondern dasim Werte gefallene Silber selbst an Zahlung giebt, welches beiseiner transportablen Natur und gemeingültigen Brauchbarkeitsich viel schneller umsetzen lässt. Die wirkliche Schädlichkeitdes doppelten Münzfusses besteht daher nur darin, dass der-selbe die Schwankungen, welche überhaupt aus der Wandel-barkeit des Metallwertes hervorgehen, leichter, häufiger undstärker herbeiführt, als der einfache Münzfuss. Es sind nurquantitative und keine qualitativen Differenzen. Nehmen wirzur Versinnlichung ein anderes Beispiel. Belgien hatte von1855 bis 1861 ausschliesslich den legalen Silberfuss. Da indemselben Zeitraum gerade das Silber beständig Agio stand,so wurden von der kursierenden Münze beständig die vollwich-tigen Stücke ausgeführt, es blieben für die inländische Cirku-lation nur diejenigen Münzen zurück, deren Reingehalt teilsdurch Abnutzung, teils Beschneidung bedeutend unter demNominalwert stand. Als man 1860 bei der Bank die Verifika-tion der umlaufenden Fünffrankenstücke vornahm, stellte sichheraus, dass alle Thaler mit Normalgewicht total verschwundenund die im Verkehr befindlichen von der schlechtesten Be-schaffenheit waren. Diese Verschlechterung der Landesmünze,an sich schon ein Missstand, musste auf alle Forderungs- undPreisverhältnisse dieselbe nachteilige Wirkung äussern, welchedie Chevaliersche Theorie ausschliesslich, aber mit Unrecht, andas System des zweifältigen Münzfusses anknüpft. Aber es be-währt sich auch hier wieder, was wir oben angeführt haben: die