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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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ist seitdem geschehen? hat sich der Wert des Silbers im Ver-hältnis zu dem des Goldes auch nur annähernd so gestaltet,wie man prophezeit hatte ? Nicht im entferntesten! Die ganzeModifikation reduziert sich in diesem Augenblick auf 1 / 2 °/ 0Mehrwert in Vergleichung zu der Proportion, welche das Ge-setz vom Jahre XI der Republik als damaligen Ausdruck derhatsächlichen Wechselbeziehung festgestellt hatte. Mit anderenWorten, wenn ein Äquivalent Gold im Jahre 1803 sich zueinem Äquivalent Silber verhält wie 1 zu 15 ,5, so verhält essich heute wie 1 zu 15 ,425. Geben wir auch zu, dass in dergegenwärtig herrschenden Handelskonjunktur ganz ausnahms-weise Einflüsse zu Gunsten des Goldwertes vorwalten, nämlichder amerikanische Krieg und in diesen allerletzten Zeitläuftender besonders gedeihliche Ausfall der Ernte in England , sodarf auf der anderen Seite nicht vergessen werden, dass auchdie höchsten Silberpreise der letzten zehn Jahre weit zahl-reicheren und gleichfalls ganz ausnahmsweisen Erscheinungenentsprangen, nämlich dem mehrmaligen radikalen Missraten derSeidenernte in Europa , dem chinesischen Aufstand und denUnruhen in Englisch -Ostindien, verbunden mit schlechten Ge-treideernten in Europa , welche zu dem Bedarf an chinesischerSeide noch einen stark erhöhten Bedarf an ostindischem Reisaufnötigten: alles Dinge, welche mit dem in ganz Asien aus-schliesslich gangbaren Silber bezahlt werden mussten, währenddie Unruhen in China das Thesaurieren und Vergraben vonSilber in diesem Lande beförderten, und das strenger geübteVerbot der Opiumeinfuhr einen Tauschwert ausschloss, welcherbis dahin zur teilweisen Bestreitung der Einfuhr von Thee undSeide gedient hatte.

Unter dem Zusammentreffen aller dieser Umstände er-reichte das Silberagio das Maximum von 1 1 / 2 %. Wie wenigdies Verhältnis als der wahre Ausdruck der allgemeinen Sach-lage anzusehen ist, erhellt eben daraus, dass die beiden vorherangeführten Umstände in so kurzer Zeit genügt haben, denAbstand, welcher auf seiner Maximalhöhe nur ganz kurze Zeitsich behauptet hatte, wieder auf den dritten Teil seiner selbstherabzubringen, während einige entgegengesetzte Faktoren, wieder chinesische Aufstand und die gehemmte Opiumeinfuhr nochfortwirken. Wie wenig nahen wir uns der von den Chryso-