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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
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so ausserordentliche Ereignisse eine Zeitlang und noch fort-während auch ein ganz abnormes Bedürfnis für Silber geschaffenhaben; 2. dass, wenn die Gefahr so überwältigend gewesenwäre, wie sie von Chevalier und Konsorten geschildert wordenwar, das Gegengewicht der vereinzelten Thatsachen sie nichtmit solcher Wucht hätte aufheben können. Wenn man unsschon vor zehn bis elf Jahren von der Möglichkeit sprach, dassGold auf denselben Wert wie Silber herabsinken könne, von derWahrscheinlichkeit, dass eine Reduktion desselben auf den viertenTeil seines Wertes bevorstehe; wenn man allen sorgsamen Wirt-schaftern zurief, sie möchten sich für die Zeit der Goldüber-schwemmung eine Arche bauen und Silberlinge hineinführen,Männchen und Weibchen, so hat man denn doch schliesslichangesichts dessen, was wir heute erleben, sein Prophetentumschwer kompromittiert. Der letzte gesetzgeberische Akt desKönigreichs Belgien bricht sozusagen den Stab über die Gold-alarmisten. Das Land, welches sieben Jahre zuvor, ihremSchreckensruf Gehör gebend, mit schweren Opfern seine Gold-münze eingezogen hat, ruft dieselbe nach der gründlichsten undlebhaftesten Debatte der Kammern und der Presse feierlichzurück und nicht etwa infolge isolierter Regierungsansichten,sondern einem stürmischen Andrang der öffentlichen Meinungnachgebend. Die vorzugsweise praktischen, industriellen, er-fahrenen, ökonomischen Belgier verlangen nach sieben Jahrendas Gift zurück, welches man so mühsam beiseite gebrachthatte. Wie erklärt sich die ganze Kette dieser Phänomene?Durch einen Umstand der einfachsten Art und durch die richtigeDeutung seines notwendigen Effektes. Das Gold fand eineunendlich viel grössere- und willkommenere Verwendung, alsseine Gegner gedacht hatten, und indem es selbst über grosseStrecken hin den Gebrauch des Silbers ersetzte, bewahrte esnicht bloss sich selbst vor Entwertung, sondern es half auchdas über dieselben Strecken hin entbehrlich gewordene Silberim Werte herabdrücken. Die grosse Goldzufuhr trieb nicht nurden Preis des Goldes herab, sondern auch den Preis des kon-kurrierenden Metalls, des Silbers; und daher leitet sich einGrund mehr ab, aus dem sich erklärt, warum die angedrohteStörung des gegenseitigen Verhältnisses nicht in den voraus-