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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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berechneten Proportionen eintreten konnte. Inzwischen hatteganz Frankreich sein Silbergeld in Gold umgesetzt.

Schlagen wir nun hierzu: dass der ganze Süden Italiens erst eben dem Goldfusse zugänglich geworden; dass Belgien ihn adoptiert hat; dass in Italien sowohl als in Spanien ein be-deutender Kraftaufschwung teils im Werden, teils im Entfaltenbegriffen ist, welcher unvermeidlich das Bedürfnis einer grösserenGeldcirkulation nach sich ziehen muss; dass die amerikanischenStaaten ein unbegrenztes Handelsgebiet vor sich haben, dasswie es auch immer politisch komme Eisenbahnen und Tele-graphen unfehlbar die Türkei immer mehr in das energischeeuropäische Industrieleben hineinziehen müssen, ein Satz, dermit noch stärkerem Rechte von Russland gilt; bedenken wir,dass alle diese Länder der Goldmünze zugänglich sind undunter gegebenen Umständen sie zu ihrem ausschliesslichen Ver-kehrsmittel machen, und wenn wir dann hinzusetzen, dass aufder anderen Seite die Unerschöpflichkeit der Diggings durchausnicht nachgewiesen ist, so glauben wir endlich dahin konkludierenzu dürfen: nicht nur, dass die angedrohte Gefahr für die Zukunftsich eben so eitel erweisen wird, als sie sich bis allher erwiesenhat, sondern auch dass Europa sich den grössten ökonomischenKrisen ausgesetzt hätte, wenn es der Stimme der Chevaliersgefolgt wäre, welche das Kreuz gegen das Gold predigten. Inder That, wenn bei den massenhaften Ausgrabungen so wenigGoldüberschuss für die Bedürfnisse des Verkehrs erzeugt wordenist, dass die amerikanische Krisis im Laufe weniger Wochenein starkes Goldagio und einen starken Goldmangel hervor-rufen konnte, so öffne man doch die Augen und frage sich,was aus dem universellen Geldverkehr geworden wäre, wenner ausschliesslich auf den geringen Vorrat von Silber und dessenspärliche, von Asien bestrittene Zufuhr sich hätte anweisenlassen? Es wäre eine Geldkrisis der verderblichsten Art überdie Welt hereingebrochen! Wir wollen nicht, nachdem wirdie Eitelkeit einer auf vielfache gründliche Untersuchungen ge-stützten Prophezeihung dargelegt haben, mit einer Voraussagungschliessen. Sonst läge der Gedanke nahe, zu beweisen, dassnach und nach das Gold in Europa die ausschliessliche Münzedes Verkehrs bilden wird. Da der Klang der edlen Metalleseinen Reiz für sterbliche Ohren so bald nicht verlieren wird,

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