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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Seite
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Länder, welche sonst Goldwährung hatten, nur vom Papierleben, so kann ich wohl annehmen, dass uns ein recht erkleck-licher Teil dieses neu ankommenden Goldes erhaltbar seinwird; ich will nur annehmen, etwas weniger als ein Drittel,das wären auch schon 60 Millionen Thaler. Ausserdem aberkönnen wir aus dem bereits bestehenden, in Europa ausge-prägten kursierenden Golde, das jetzt wegen der Papierwährungvielfach in den Löchern steckt, wie z. B. in Frankreich , mittelsgewisser Prämien einen grossen Teil herauszuziehen, und wennwir uns ein bischen anstrengen wollen, vielleicht im Laufe vonzwei oder ich will mich nicht zu weit vorwagen vondrei Jahren den Bedarf an Gold beschaffen, der nötig ist,um die 400 Millionen Thaler herbeizuführen. Ich weiss, dieReichsregierung sieht die Sache nicht so einseitig an; als guteVerwalterin sagt sie sich, dass sie dieses Gold nur anschaffenkann Zug um Zug gegen den Silberwert, gegen denselben Vorrat,dessen sie sich entledigen muss. Ich glaube nicht, dass wir dies allzupeinlich nehmen müssten; ich kann mir ganz gut den Fall denken,dass wir monatlich mit Hilfe der Mittel, die uns aus der Kriegsent-schädigung zufliessen, unseren Goldvorrat interimistisch einseitigverstärken und inzwischen mit einem Posten Silber noch fest-sitzen, den wir nicht so bequem loswerden. Ich bin der Erste,das zuzugestehen. Als wir vor anderthalb Jahren zum erstenMale die heutige Vorlage behandelten, formalisierte sich bei-nahe der preussische Herr Finanzminister, den ich zu meinemBedauern heute nicht hier sehe, über meine Frage: wiewerden wir das Silber los? Er fand sie sehr drastischund so zu sagen ein wenig überspannt. Ich glaube aber, dieFrage besteht heute noch in ihrer ganzen Stärke, und wenndie Reichsregierung von dieser Seite Bedenken sieht, so teileich sie vollkommen mit ihr. Wir werden lange damit zu thunhaben, unseren Vorrat von vielleicht drei- bis vierhundertMillionen Thaler Silber, der uns entbehrlich wird, hinwegzu-bringen. In Europa selbst wird im Augenblick weniger Silberkonsumiert für Münze; der Hauptkonsument für Silber ist be-kanntlich der Osten; ein kleiner Teil des Ostens, die Kolo-nien von Holland beziehen ihr Silber in Form von ausgeprägterMünze direkt aus dem Mutterlande, und das ist ein geringerBetrag von etwa 9 bis 10 Millionen Gulden im Jahre. Die