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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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lieh den Streich, dass wir alles, was wir mit dem Münzgesetzvor 1 1 j 2 Jahren beschlossen haben, virtuell zu nichte macht, wieich hier gleich nachweisen werde. Wir haben das Silberpräge-recht ausdrücklich in dem Gesetz von 1871 unterdrückt, weilwir gesagt haben: wenn wir Gold ausgeben und erlauben demStaate weiter Silber auszuprägen, so rufen wir das natürlicheWechselspiel hervor, dass man Silber ausprägt, in Masse Goldeinzieht und wieder ausführt. Wir haben dem eine Barrierevorgeschoben, indem wir das Silberprägerecht unseres Staatessistierten, und in welcher Lage sind wir jetzt? Wir sind in derLage, dass der erste beste Staat uns zum Schabernack das thunkann, was wir bei uns verbieten. Wenn es auch die öster-reichische Regierung selbst nicht ist das will ich durchausnicht sagen so sind es diejenigen, welche auf irgend einerMünze jetzt österreichische Gulden entweder ausprägen oderausprägen lassen können, welche sie auch nach Deutschland inZahlung einführen und, sobald nur einiges Gold in Cirkulationist, mit einem greifbaren Vorteile gegen dasselbe umtauschenkönnen. Die gegenwärtigen Silber- und Goldpreise legen dieseGefahr nahe. Sie werden sich erinnern, dass als wir vor i 1 /,Jahren das Gesetz machten, wir das Verhältnis 15 1 / 2 : 1 alseinen wirklichen Ausdruck der damals herrschenden Situationauf das Allerschärfste bezeichnen konnten, und diese Situationcharakterisiert sich darin, dass der Silberpreis in London war6 o 7 / 8 Pence für die Unze; heute steht der Silberpreis in London 59 7 / s , und zwar ist das im Augenblick noch wieder ein ver-hältnismässig hoher Preis, denn er hat schon viel tiefer ge-standen das macht 1 ,4 Prozent niedriger, und das heisst das Ver-hältnis von Silber zu Gold ist nicht mehr wie 15,5 : 1, sondernwie 15,70: 1. Sie sehen hier also eineMarge", wie mankaufmännisch sagt, von i 1 ^ bis i 4 /io Prozent beim Austauschvon Silber gegen Gold. Ich will nicht sagen, dass mit eineretwas langwierigen Operation es schon erlaubt wäre, Silbernach Osterreich zu führen und dort prägen zu lassen, es nachDeutschland zu bringen und dafür Gold aufzunehmen; es ge-hört vielleicht etwas mehr noch dazu, als der gegenwärtigeSpielraum; aber ich habe doch bei verschiedenen Informationen,die ich in Wien aus guten Quellen einzuziehen versuchte, michnicht versichern können, dass nicht wirklich die Operation ge-