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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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geben. So niedrig sind Münzen von so hohem Betrage, wiesie hier erwähnt werden, wahrscheinlich noch nicht in normalenZeiten ausgegeben worden; England , welches meines Wissensam niedrigsten sein Silber ausprägt, wenigstens sein höheresSilber, prägt im Verhältnis von 14,28 : 1; die lateinische Münz-konvention prägt im Verhältnis von 14,38 : 1; wir müssen stattdieser Proportion, die um 78 Prozent von dem Verhältnisvon 15 1 / 2 : 1 abweicht, sie auf das Verhältnis von 13,95 : i setzenund unter Umständen, da wir eine ziemlich starke Toleranz beigrossen Münzen nach der Vorlage gewähren, würde sich derAbstand so von ix bis auf 12 Prozent erhöhen.

Nun treten hier naturgemäss zwei Bedenken auf, das ersteist nicht technischer, sondern allgemein münzpolitischer Natur.Es frappiert jeden, dass eine so starke Münze, wie namentlichdie hier ins Auge gefasste Fünfmarkmünze mit ihrem nominellenWert, mit sich selbst dem inneren Wert nach in Widerspruchsteht. Eine so bedeutende Zahlung, wie sie in einem Stückvon 5 Mark liegt, in einem Wertzeichen zu machen, welchesnur zum Teil den wahren Wert der Sache in sich enthält, dieswiderspricht unserem bisherigen Münzgefühl, wenn ich so sagendarf; und das ist so wahr, dass ich in den Bemerkungen derReichsregierung in ihren Motiven an einem viel geringerenOrte dieselbe Betrachtung wiederfinde. Sie erwähnt ganz mitRecht, dass die belgische Regierung darauf verzichtet hat,Zwanzig-Centimesstücke in Nickel auszuprägen, weil sie nacheiniger Zeit gefunden hat, dass dieser bloss fiktive Wert in zugrossem Widerspruch steht mit dem verhältnismässig hohenBetrage von 20 Centimes. Wenn dies an dieser kleinen Stelleerwähnt werden konnte, so scheint es mir kein ganz laienhaftesBedenken, wenn nicht ohne Besorgnis das starke Abstands-verhältnis von 1112 Prozent unter oder über Wert bean-standet wird.

Eine andere Gefahr ist die der Nachprägung, wohl zu unter-scheiden von der Fälschung. Wenn, um es kurz zu sagen, aufein silbernes Fünfmarkstück die Prämie steht, dass derjenige,welcher es ganz echt zu einem Gewicht von 25 Gramm feinSilber nachprägt, einen Nutzen von 5 Sgr., von einer halbenMark am Stück hat, so ist allerdings die Versuchung des Nach-prägens sehr stark in die Sache hineingelegt. Nun muss ich