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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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Thaler hinausgehen. Und nun, meine Herren, kommt einesolche Menge von Rücksichten, die sich kreuz und quer ein-ander durchschiessen, hier zur Sprache, dass ich mich nicht inder Lage fühle, gegenüber den anderen wichtigen Fragen, diebei der Bankgesetzgebung zur Sprache kommen werden, schonjetzt hier vorzugreifen. Ich will mich gleich erklären, dass ichdurchaus nicht einseitig mich zu der Ansicht bekenne, welchesagt: der preussische Herr Finanzminister beansprucht ganz mitUnrecht für sich und einzelne Staaten, welche entweder garkein Papiergeld, oder weniger als drei Mark per Kopf ausge-geben haben, für diese ein bene, ein plus aus der Sache. DerHerr Finanzminister hat sein Recht begründet; ich stehe nichtganz auf seiner Seite, ich bestreite aber auch nicht, dass er vielgute Gründe für seine Anschauung anführen kann. Auf deranderen Seite, glaube ich, sind ihm nicht weniger gute Gründeentgegnet. Ich möchte ihn vor allen Dingen doch auch daraufaufmerksam machen, dass, ohne die Verdienste bestreiten zuwollen, welche das Königreich Preussen sich dadurch erwarb,dass es sein Papiergeld von 30 Millionen Thaler auf 15 MillionenThaler herabsetzen und durch die Bank einziehen liess, so ganzungedeckt und ohne Kompensationsvorteile das KönigreichPreussen aus den Operationen doch nicht hervorgegangen ist.In jener Übereinkunft, welche 1856 geschlossen wurde, ist auchin die Statuten der preussischen Bank eine ganz kleine Ab-änderung gekommen; sie hatte damals nur das Recht, 21 Milli-onen Thaler Banknoten auszugeben; das Recht der Banknoten-ausgabe wurde ihr seit 1856 unbegrenzt gegeben, und sie hatseitdem 100 Millionen Thaler und mehr an Banknoten ausge-geben. An dem Vorteile aber, der daraus entsteht, hat dasKönigreich Preussen die Hälfte des Nutzens. Also, meine Herren,so fromm und rein, wie man sie uns gemalt hat, ist die Sachedoch nicht, ohne dass man die Verdienste der Massregel be-streiten kann; sie war rationell und richtig, aber rein und un-interessiert war sie nicht.

Auf der anderen Seite aber habe ich noch viel Weiter-gehendes zu bemerken. Nehmen wir an es wird dasvielleicht manchem eine Gänsehaut machen, Deutschlandsei im Jahre 1870 statt eines eng zusammengezogenen Bundes-staates ein Einheitsstaat geworden, so wäre die ganz einfache