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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
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seit Jahrhunderten unserem Lande und Europa so grosse Dienstegeleistet haben« worauf natürlich alle, welche nicht höchstundankbar gegen das wackere Silber sein wollen, in lebhaftenBeifall ausbrechen. Oder in einer zweiten Rede: »Geben Siedem Lande Sicherheitsgefühl, lassen Sie keine absoluten Theorienzu, welche beunruhigender Natur sind. Auf diese Weise, wennSie in den Grenzen der Weisheit und Klugheit bleiben, werdenSie dem Lande einen grossen Dienst leisten; Sie werden be-wirken, dass die so wesentlich notwendige Geldcirkulation nichtgestört werde, und Sie werden einen Akt des gesundenMenschenverstandes, der Voraussicht bethätigt haben, welcherdie grossen Interessen Frankreichs sicher stellt.« Bei dieseninhaltreichen Schlussworten hielt sich die Mehrheit für so über-zeugt von deren Richtigkeit, dass sie stürmisch Applaus undRuf nach Schluss von sich gab. In derselben Rede war es,dass der Bankgouverneur das deutsche Reich, weil es die Gold-währung unternommen, »jenes unglückliche Land, ce malheu-reux pays,« nannte, welches in tiefe Zweifel versunken sei, obes nicht auf halbem Wege wieder umkehren solle. Alles, wasje die sich praktisch nennende Banalität an Selbstgenügsamkeitund Verachtung methodischer Erkenntnis von sich gegeben, warhier mit der Geschicklichkeit und Eleganz aufgehäuft, welchedas französische Redetalent kennzeichnet. Jeden Augenblickkehrt die Wendung wieder, dass das »System« eine herrlicheSache ist, dass aber »wir bescheidenen Praktiker, die nicht ausBüchern sprechen,« doch viel klüger sind.

Die Verhandlungen der Deputiertenkammer hatten auchauf seiten der Regierung schon bedeutend mehr Tiefgang alsdie des Senats. Der Ernst der Lage sprach sich selbst in derHaltung des Berichterstatters Dutilleul aus, welcher die Dingeganz anders nahm als der flache Rouland. Der AbgeordneteLe Cesne, welcher die Opposition leitete, that es an Schärfeund Vollständigkeit der Exposition dem Senator de Parieu wenigstens gleich. Selbst dem offiziellen Berichterstatter kamdiesmal der Wahn, dass man die grosse Gefahr totschweigensolle und könne, nicht in den Sinn. Ja, wir begegnen in seinemMunde folgendem, unter solchen Umständen auffallend weitgehenden Ausspruch:Ich weiss nicht, ob es diesem Jahrhundert,welches schon viel Ausserordentliches gesehen hat, bestimmt