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Ausgewählte Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen / von Ludwig Bamberger. Im Auftr. ... hrsg. von Karl Helfferich
Entstehung
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fuhr zusammenhängt. Von jeher hat das ferne Asien einen be-deutenden Uberschuss aus dem reichen Füllhorn seiner üppigenVegetation dem Abendlande zugesandt und dafür Silber zurBefriedigung seines Geschmacks an schwerem Prunk und zurAnhäufung machtgebietender Schätze in Empfang genommen.In der ofterwähnten Zwischenperiode des amerikanischen Se-zessionskrieges und der dadurch hervorgerufenenBaumwollen-Hungersnot, cotton-famin'e erreicht dieser Uberschuss eine nieerlebte Höhe, und in den neuesten Zeiten des universellen In-dustriekrachs erlebte er einen ungewöhnlichen Rückgang. Aberim grossen und ganzen, so konstatiert unser Bericht, ist dieDifferenz sich immer gleich geblieben und bewegte sich seit1870 um den Mittelpunkt von 20 Millionen Pfund Sterling oder400 Millionen Reichsmark. Damit stimmen auch so annähernd,wie sich erwarten lässt, die Aufnahmen der Verschiffungen vonSilber nach Indien, summiert mit den von der Regierung desMutterlandes auf die Kolonie abgegebenen Wechseln.

Also nicht in veränderten Handelsbeziehungen ist derGrund des Umschlags der Dinge zu suchen. Aber was sichganz anders gestaltet hat, ist die Zusammensetzung eben desMaterials, mittels dessen die Differenz in der Bilanz ausge-glichen wird. Früher bestand jenes Material zum grössten Teilaus Barren, zum geringeren aus Regierungswechseln. Seit1872 namentlich hat sich das Verhältnis durchaus gedreht.Während in der früheren Periode das Durchschnittsverhältnisergab 10 Millionen Pfund Sterling Barren und 7^ MillionenWechsel, kam es in den Jahren 1875/76 auf 3 Millionen Barrengegen 12 Millionen Wechsel.

Der allgemeine Grund aber dieser allgemeinen Bilanzver-schiebung liegt in dem Anwachsen der Beträge, welche von denKolonien der Regierung des Mutterlandes geschuldet werden.Das heimische Budget hat jetzt durchschnittlich 300 MillionenReichsmark jährlich von dem indischen Departement zu be-ziehen. Noch in den Jahren 18621863 kam ihm nur dervierte Teil dieses Betrages zu. Der Entstehungsgrund derstarken Verschuldung liegt in der grossen Empörung der Sea-poys am Ende der fünfziger Jahre. Der zur Bewältigung der-selben gemachte Aufwand erheischte eine Reihe von Anlehenund stehenden Mehrausgaben, welche die Kolonien zu verzinsen