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seitdem die Quecksilberpreise teils durch neue Fundorte, teilsdurch neue Aufbereitungsmethoden, welche dies Hülfsmetall zurZerlegung der Silbererze entbehrlich machen, beträchtlich her-untergegangen sind, wird die Versorgung des Silbermarktesnoch mehr an Stetigkeit gewinnen.
Hieraus soll sich nun ergeben, dass, während die reichstenGoldquellen eben so üppig emporsprudelten wie rasch erschöpftwürden, die Natur für eine stetige und unabsehbare Zufuhr anSilber gesorgt hätte. Von der jetzigen Jahresausbeute an Golddagegen, welche auf 584 Millionen Franken veranschlagt sind,sollen 381 Millionen aus dem Schwemmlande gewonnen werden,dessen Leistungsfähigkeit nur auf eine begrenzte Reihe vonJahren hoffen lässt. Neben dieser geologischen Vermutungmuss zugleich eine gewerbliche erwähnt werden, mit welchersie ergänzt wird. Da das Silber vielfach nur als Nebenproduktgewonnen wird, so soll auch der Niedergang des Preises aufseine Gewinnung keinerlei bestimmenden Einfluss üben, ja zumTeil durch Steigerung des Preises der beigemischten Metalleausgeglichen werden können.
Man kann allen diesen Schilderungen der thatsächlichenVerhältnisse, wenigstens hypothetisch, folgen, ohne deswegenauch sofort den letzten Schluss zu ziehen, dass in gegebener,beinahe berechenbarer Zeit dem Goldmarkte der Welt die ge-wohnte Zufuhr fehlen werde. Von vornherein drängt sich eineBetrachtung auf. Hätte etwas wie diese Theorie von derephemeren Natur der Goldquellen auch vor 1849, d. h- vor derEntdeckung der grossen Goldfelder Kaliforniens und Australiens auftauchen können? Schwerlich! ja ganz gewiss nicht! Sämt-liche hier beigebrachte Beweiselemente, Ziffern und Deduktionennötigen zu diesem Rückschluss. Und nun sollte plötzlich alsein Naturgesetz stabiliert sein, was vor dreissig Jahren nicht zuahnen war? Allerdings, ein neuentdecktes Gesetz ist darumnicht minder eines, und jede Entdeckung muss einen Anfanghaben. Aber nach tausendfältigen und tausendjährigen Er-fahrungen, die Begebenheiten einer kurzen Zeitspanne, seien sieauch noch so imposant, zu einer ewigen Regel zu verallge-meinern, ist bedenklich. Und wie weit immer der Versuch ge-lungen sein mag, alles in älterer Zeit Erlebte nach dem Sinnder eben gewonnenen Anschauung auszulegen, — der Verdacht